9. Tag – Mandalay


Nach kurzem Frühstück im Hotel waren wir einigermaßen früh auf der Straße, um Mandalay zu erkunden. Angenehm kühl war es noch. Zuerst sind wir durch einen Markt gelaufen: Da gibt es wirklich alles, was aus Plastik ist – und noch mehr. In einer Ecke gab es Gewürze und allerlei getrocknete Blätter, Hölzer, Früchte: Ich schätze, dass diese Sachen mehr für medizinische Zwecke vorgesehen sind. Hätte schon was von Alchemie …

Und immer wieder „Mingalaba!“ – Wir sind am Köngispalast angekommen: Er ist umgeben von einem Wassergraben von 3 x 3 Kilometer Länge. Wir wollten gerne zum Westtor rein, aber nein: Für Ausländer muss leider das Osttor genommen werden. Ja. Hätten wir diese tollen neumodischen Schrittzähler um, dann wären wir heute locker auf unser Kontingent gekommen!

Ecke Nord – Ost haben wir aber beschlossen, uns dort erst einmal ein paar Tempel anzusehen. Im ersten Tempel (Sandamuni-Pagode) gibt es 1774 weiß getünchte Stupas mit Marmortafeln mit Kommentaren zu Buddhas Lehre – also eigentlich mehr eine Bibliothek.

Im zweiten Tempel (Kuthodaw-Pagode) gab es wiederum ganz viele Stupas mit Tafeln: Die gesamte Lehre Buddhas auf 729 Marmortafeln. Was eine Schrift übrigens: Kringel, Kringel, Kringel ohne Lücke. Selbst das Satzende wird lediglich mit zwei senkrechten Strichen markiert. Die Gläubigen können sich vor dem Tempel wunderschöne Blumen als Opfergabe kaufen: Für mich ein gefundenes Fotomotiv.

Der dritte Tempel (Sawenandaw-Kloster) war der für mich faszinierendste: Komplett aus Holz und ein Teil des Königspalastes, datiert auf 1782. Er gehört zu den Privatgemächern des Königs, bevor er später den Mönchen vermacht wurde und heute Museum ist. Es gibt kaum eine Fläche, die nicht mit Nat-Figuren oder Blumenornamenten verziert ist. Früher war es innen und außen vergoldet, jetzt nur noch innen. Grandios.

Mit einem Suppenstopp in einem Straßenrestaurant haben wir die Kräfte wieder etwas aufgetankt und sind zum Königspalast: Eine Rekonstruktion. Dieses Mal zum richtigen Tor rein und dann muss man zur Mitte laufen, um wirklich den Palast zu besichtigen. Bis man den Palast erreicht hat, darf man nicht fotografieren und auch nicht nach links oder rechts abbiegen. Dort stehen einfache Häuser – hm, nun gut. Der Palast selber ist nachgebaut, ok, aber jetzt echt nicht so beeindruckend. Wir waren etwas geschafft von der Sonne und haben uns ein Taxi zum Hotel gegönnt und dort die rechte Zeit abgewartet, um zum Mandalay Hill zu fahren.

Der Verkehr hier ist ähnlich chaotisch wie in Kambodscha. Spannend: Obwohl hier Rechtsverkehr ist, haben die Autos das Steuer ebenfalls rechts. Der Sinn dessen hat sich uns nicht erschlossen – wenn wir den Taxifahrer richtig verstanden haben, sitzt der Mann immer rechts neben der Frau. Der Zweitwagen für die Frau habe das Lenkrad links – ich glaub‘ das ja nicht so ganz…

Vom Taxifahrer wurden wir am Fuße des Hügels abgesetzt und sind die überdachte Treppe, die immer wieder von kleinen Tempeln unterbrochen wird, hinaufgestiegen. Ja, das eine oder andere Tröpchen Schweiß ist da durchaus geflossen. Aber wir haben es rechtzeitig geschafft zum Sunset. Sönke und Kevin hatten sich an eine Säule gesetzt und ich stand am Geländer der Terasse. Ich wurde von einem Mann angesprochen, woher ich komme und ob ich englisch spreche. Nun, so unterhielten wir uns ein bisschen, während ich bemerkte, dass ein paar junge Leute quasi in Warteposition bei uns standen. Ich fragte den Mann, ob das seine Begleitung sei. Er sagte, dass das junge Leute wären, die gerne mit mir sprechen wollten, um englisch zu üben. Na klar, dass ich sie aufgefordert habe, mitzureden. Und dann wurde ich total ausgefragt und waren interessiert daran, was ich über Myanmar denke. Ich habe auch Kevin herangewunken und so haben wir uns recht angeregt unterhalten. Auch zu Sönke hatten sich mittlerweile drei Mädels gesellt, die mit ihm geredet haben. Ganz gezielt gehen hier die jungen Leute an diesen „Touristenmagneten“, um dort ihre Englischkenntnisse aufzubessern und in Kontakt zu kommen. Dieses Land ist wirklich im Umbruch – faszinierend!

P. S. Wir haben einen Zimmer-Gecko: Jippieh, der frißt die Mücken weg, die IMMER nur MICH stechen … 😉