Ab jetzt wird es ein Abenteuer! Wir sind gerade mal einen halben Tag da und ich bin mir jetzt schon hundertpro sicher. Myanmar (oder früher Burma) ist ein Vielvölkerstaat im Umbruch zur Demokratie (seit letzten Freitag haben sie das neue Parlament) – und das merkt man.
Okay, Flug Bangkok – Mandalay war ereignislos, dann die ollen Einreiseformalitäten Taxi zum Hotel. Wir steigen aus dem Taxi aus, kommen schon zwei Jungs in Uniform aus dem Hotel gestürzt und holen die Rucksäcke aus dem Kofferraum. Der Eine wäre unter Kevins Rucksack fast zusammengeknickt, aber hat tapfer durchgehalten. Im Foyer haben wir jeder erst mal einen Drink erhalten, während der Checkin gelaufen ist. Unsere Zimmer sind recht nett – doch ein bissel anders als das Hostel in Kambodscha. Aber ich war von dem plötzlichen Luxus tatsächlich erst mal ein bisschen verwirrt.
Ich habe dann als Erstes den gestrigen Tagesbericht in den Blog geschoben: Gestern war es einfach zu spät geworden. Na, es ist etwas zäh hier mit Internet, aber irgendwann hat man es dann doch geschafft.
Aber dann haben uns Hunger und Neugierde gleichermaßen hinausgetrieben. Die Straßen sind nach amerikanischem System aufgebaut, daher kann man sich recht flott zurechtfinden. Wir sind einmal um die Ecke und dann einfach die Straße lang. An einer Apotheke fragten wir nach einer Nagelschere, aber das hatten sie nicht – nur Medizin. Ein Mann auf einem Moped hatte mitbekommen, dass wir das, was wir wollten nicht bekommen haben. Er fuhr uns kurz nach und fragte, was wir suchen würden. Auf unsere Antwort hat er dann gleich auf ein anderes Geschäft in der Nähe gezeigt. (Wir haben allerdings mehrere Anläufe gebraucht, bis wir die Schere hatten. ) Ein paar Schritte weiter sprach ein Mechaniker Sönke an, wie er heiße, woher er komme und schüttelte uns Dreien begeistert die Hände. So weit, so gut. Wir kehrten ein in einem Restaurant: Der junge Mann, der uns bediente, überschlug sich fast vor Dienstbarkeit, schüttelte uns die Hände und hielt sich sehr in der Nähe unseres Tisches auf. Essen war übrigens lecker, wie man das auf den Fotos auch schon vermuten kann.
Anschließend sind wir die Straße zum Fluß Ayeyarwady gelaufen: Überall wurden wir angeschaut, wurde uns zugewunken, uns zugelächelt. Tja, das ist halt kein von Touristen überlaufenes Angkor Wat. Ich fand es total angenehm, nicht auf Schritt und Tritt mit „need a tuktuk?“ angesprochen zu werden. Wir gehören als weiße Touristen absolut nicht zum Alltagsbild hier.
Der Straßenrand ist gesäumt von offen Läden und Handwerksbetrieben: Das Leben spielt sich einfach auf der Straße ab. Am Fluß hatten wir einen schönen Ausblick auf die Bambus und Holz verarbeitenden „Betriebe“. Bambus spalten, Rahmen bauen und Blenden flechten (Sichtschutz, Häuserwand und was sie alles noch zusammengeschustert haben). Am Fluß entlang waren noch mehr Betriebe, die bis hin zu Schaschlikspießen, alles mit einfachen Mitteln produziert haben.
Und viele Leute mit stark roten Mündern, gefärbt vom Betelnusskauen: Es soll pushen und den Hunger nehmen. Nicht so lecker sind die roten Flecke auf dem Boden …
Wir sind dann an eine enge Gasse gekommen: Leute mit feinen Nasen und starkem Sauberheitsbedürfnis wären hier echt falsch – Fischmarkt vom Feinsten und richtig groß. Eng an eng die Verkaufsplätze (nein, Stände kann man das nicht nennen). Was ein Gewusel: Da wurden Fische geschuppt, Eis geschaufelt, dem nächsten Fisch der Kopf abgehackt. Nichts für sanfte Gemüter, wie das da zuging. Ich war vorsichtig mit fotografieren, aber es scheint ganz okay zu sein.
Eine Straße weiter war lauter Trubel – richtig Volksfeststimmung. So etwas hab ich noch nie erlebt: Was ein Spaß! Also: Man grabe ein 3 x 3 Meter-Loch ca einen Meter tief und fülle es mit Wasser. Schicke ein paar Jungs in das Wasserloch und stelle eine Stuhl 15m davon entfernt auf. Dann werden Wetten angenommen, lautstark über einen scheppernden Lautsprecher moderiert. Und dann geht es los: Eine Kokosnuß wird in das Loch geschmissen, die Jungs balgen sich darum und wer es schafft, mit der Nuß aus dem Loch zu kommen und sie dann nach einem Sprint auf den Stuhl zu legen, hat gewonnen. Holla, was ein Matsch, und was ein Kampfgeist, die Jungs haben sich nichts geschenkt. Und das Publikum begeistert! Natürlich gab es noch ein paar Freßstände und andere kleine Stände drumrum, unter anderem auch ein Stand, der eine Pofferties-Form hat, aber ganz andere sehr appetitliche Sachen drin heiß macht. Das werden wir bestimmt auch noch probieren. Und auch hier fanden es die Leute superklasse, dass wir das auch toll fanden. Sönke hat mit einer Frau gescherzt, dass wenn er in das Loch ginge, das ganze Wasser draußen wäre – die Frau hat es sofort ihrem Mann erzählen müssen und die haben sich ausgeschüttet vor Lachen.
Ja, die Leute wollen den Kontakt und sind offen dafür: Ich bin mir sicher, dass wir noch viele spannende und aufregende Erlebnisse haben werden. Und unser erstes Wort „Mingalaba“ – Guten Tag – wird bestimmt noch viele Türen öffnen. Ich freue mich.





