7. Tag – Tonle Sap


Heute morgen haben wir unsere Siebensachen gepackt und ausgecheckt. Das Gepäck haben wir noch verwahren lassen, denn unser Flug geht erst heute abend.

Unser Guide für unsere Tonle Sap-Tour hat uns eingesammelt: Und wir waren hinterher sehr froh, dass es uns gesundheitlich inzwischer wieder so gut ging, dass wir diese Tour machen konnten.

Der Transporter quälte sich etwas durch die engen Umleitungsstraßen, denn die Hauptstraße wurde gerade erneuert. Die Hauptstraßen waren geteert, die Nebenstraßen allerdings nicht: Boah, was ein Staub! Kaum aus der Stadt draußen haben wir schon die Ausläufer des Sees gesehen: Reis- und Lotusfelder. So viel Lotus auf einmal habe ich noch nie gesehen – wunderschön.

Bei einem zweiten kurzen Halt an einem Dorf gab es die ersten Häuser auf Stelzen zu sehen, denn der Tonle Sap steigt in der Regenzeit enorm an. Interessant fand ich, dass die Leute dort keinen Grund und Boden haben, aber sich Häuser auf Stelzen bauen dürfen. Das haben insbesondere Vietnamesen auf der Flucht vor dem Krieg in ihrem Land genutzt. Sie kehren aber auch jetzt nicht mehr zurück, weil sie in ihrer Heimat jetzt als Kambodschaner gelten. Die zweite Hausvariante ist die tragbare: Bei Flut vier Mann (okay, ein paar mehr) vier Ecken und das Häuschen an einen höhergelegenen Ort getragen.

Auf Variante Drei, nämlich die schwimmenden Dörfer auf dem See, war ich schon sehr gespannt. Dazu sind wir an einer großen Bootsanlegestelle am Fluß auf ein kleines Boot umgestiegen. Ich bin kaum mit fotografieren und schauen nachgekommen: Schwimmende Werkstätten, Boote mit Waren aller Art, Werft, ein großes aufgebocktes Schiff – vermutlich ist das Wasser gerade zu niedrig-, Fischer am Ufer…

Dann erreichten wir den See und kurz darauf wir das schwimmende Dorf: voll ausgestattet mit Polizeistation, Schule, Wasseraufbereitungsstation, örtlicher Markthalle – was ein Dorf halt so braucht. Wir legten an einem Hausboot an: Ein, na ja, touristischer Fischzuchtbetrieb. Auf einem Hausteil (mit kleinen Stegen verbunden) waren zwei Becken integriert: In dem kleineren schwammen Welse und in dem großen waren Krokodile. Nun gut. Nett war noch, dass man quasi in den zweiten Stock des Hausboots hinaufsteigen konnte und von dort einen ganz hübschen Ausblick hatte.

1 1/2 h sind wir dann über den See getuckert: Eigentlich wollten wir Mangrovenwälder sehen, aber die sind um diese Jahreszeit zu ausgetrocknet. Und auch die letzten beiden Überschwemmungen waren dank Klimawandel deutlich geringer ausgefallen – und sie werden dringend gebraucht. Steht zu hoffen, dass sich das Ökosystem nicht zu starkt verändert: Denn noch ist der Tonle Sap der fischreichste See der Welt – und es leben sehr viele Leute davon.
Wir sind in einen engen Kanal eingefahren: Selbst die Fahrer mit den langen schmalen Booten, die mächtig schnell fahren können (mit entsprechender Wasserfontäne hinten – jawoll!) haben ihre Geschwindigkeit gründlich reduziert. Und dann erreichten wir das Fischerdorf. Es trohnte 5 – 6 Meter über dem Grund auf Stelzen. Ein Haus nahe dem anderen, um sich bei Wind gegenseitig stützen zu können. Wir sind die Dorfstraße entlang gelaufen: In der Regenzeit ist das nicht möglich: da geht das nur per Boot. Fast hätte man von romantischen Häusern sprechen können – viele schön mit Blumen geschmückt – aber die Leute leben dort wirklich sehr einfach. Auf Tüchern, die am Boden ausgebreitet sind, trocknen Shrimps und Fische: So bringen sie auf dem Markt mehr ein als frisch. Auch geräuchert wird der Fisch und er erinnert durchaus an Kieler Sprotten!

Unser Guide führte uns unter eines der Gebäude: Dort war eine Minischule für Englisch. Die Kinder gehen ganz normal in die öffentliche Schule und können über ein Projekt zusätzlich kostenlosen Englischunterricht erhalten. Die Kinder erhielten von uns jeder ein Stift und ein Heft (hatte unser Guide mitgebracht) und freuten sich sichtlich darüber. Und dann durften, nein sollten wir mit den Kindern reden: Und die waren auch ganz heiß darauf. „What is your favourite color? What ist your favourite sport?“ Die Fragen kamen wie aus der Pistole geschossen und ich stellte fest, das Fußball und Bayern München auch hier sehr hoch im Kurs stehen. Bei den Familienverhältnissen fehlten noch ein paar Wörter, aber wir fanden heraus, dass die meisten um die 6 Geschwister hatten. Noch ein paar Fotos und dann haben wir noch ein Ständchen mit zwei Liedern bekommen. Ich finde, dass diese Aktion für alle Beteiligten eine echte win-win-Situation ist. Wir sind in Kontakt gekommen und die Kinder konnten aktiv sprechen und wir haben natürlich an den Lehrer monetäre Unterstützung gegeben.

Wir haben dann den Streifzug durchs Dorf fortgesetzt, am Tempel vorbei. Unser Guide erzählte, dass es hier auf dem Lande nicht so viele Mönche geben würde – die Stadt wäre lukrativer. Ich war etwas irritiert und auf Nachfrage erhielten wir die Antwort, dass wohl von dem einen oder anderen Mönch nicht alles abgegeben würde, was ihm zzugesteckt wird. Auch zieht das kostenlose Bildungsangebot bei den jungen Männer immer, um Mönch auf Zeit zu sein.

Zurück über die Dorfstraße sind wir über eine steile Holztreppe in eines der Baumhäuser – ein Restaurant – hinaufgestiegen und zu einem Steg gelaufen, der weiter in den Mangrovenwald hineinführte. Ja, 5 Meter über Grund: Diesen Steg möchte der Restaurantbesitzer ganz weit bis zu einem zweiten Restaurant am Ufer des Sees führen. Er hat aber noch keine Erlaubnis dazu – er zahlt den Behörden wohl noch etwas zu wenig …

Drei kleine Jungs waren noch lustig: Sie haben als wir gekommen sind und als wir nun auch wieder abfahren wollten extra einen Steg vom Ponton ans Ufer geschoben und den Steg gestützt, uns gleichzeitig die Hände als Sicherung gereicht. Das Teil war in sich wirklich ziemlich wackelig und ich habe die Hilfe gerne angenommen – und die Jungs waren total happy! Etwas Vergleichbares habe ich in Deutschland noch nicht erlebt.

Das Boot hat uns zurück zum schwimmenden Dorf gebracht: Lunchtime. Die Jungs hatte Hühnchen mit Cashew und ich eine Fischsuppe mit Pilzen. Lecker! Danach ging es wieder zurück über den Fluß Richtung Bootanlegestelle. Ich hatte gleich zweimal fotografisches Glück: Eine Herde an Wasserbüffeln schwamm ganz nah an unserem Boot vorbei – yes! Und dann habe ich im richtigen Moment ausgelöst, als ein Fischer sein Netz auswarf – doppeltes yes!!

Kurze Siesta im Hostel und dann zum Wellnesstermin: Pediküre der besonderen Art. Wir hatten das schon mal woanders gesehen und wollten das unbedingt ausprobieren.
Da steht ein ganz großes Aquarium mit diversen kleineren oder auch etwas größeren Fischen. Man zieht Schuhe und Strümpfe aus und setzt sich an den Rand das Aquariums und wupps kommen die Fische und futtern, knabbern, lutschen, zutzeln die alte Haut weg. Ej, die erste Minute bin ich aus dem dem Lachen kaum rausgekommen, dann konnte ich mich so entspannen, dass es nicht mehr so gekitzelt hat. Hinterher war die Haut ganz glatt und weich – und die Fische immer noch nicht satt, erstaunlicherweise. Immerhin hatten sie ein internationales Menü mit deutschen, amerikanischen, englischen, australischen …. Füßen.

Wir haben danach unser Gepäck geholt und sind zum Flughafen getuktukt. Mist, bis jetzt hatte ich noch den Heiligenschein mit „ja selbstverständlich habe ich alle im Handgepäck nicht erlaubten Sachen ins große Gepäck“. Den habe ich wohl verloren: Ich habe die Nagelschere im Etui vergessen… Um 23 Uhr erreichten wir Bangkok (was ein Lichtermeer) und sind vom Hoteltransferservice abgeholt worden. Kurzes Bier, Heia-Bett, morgen geht es nach Myanmar.

2 Gedanken zu „7. Tag – Tonle Sap“

  1. vielleicht findet Ihr ja noch ein WLAN-Kabel. Auf jeden Fall war es bisher wieder schön zu lesen. Weiter so.

  2. Na Papa – wie wäre es mit einem Umbau Deiner Aquarien, damit die Fische mal nützlich werden? 😉
    Es wird jetzt etwas schwieriger mit Internet: Wir sind bereits in Myanmar und da ist das Web nicht ganz so dolle.
    Grüße! Elke

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