













Ein großer Traum von Sönke ist heute in Erfüllung gegangen! Mit der Tram sind wir zum Anleger gefahren, haben dort noch kurz in einer Bäckerei gefrühstückt und sind dann mit der Fähre rüber auf die kleine Insel Miyajima. Alle 10 Minuten fahren die Fähren: Was für eine Menschenmenge da rübergeschippert wird!
Die Hauptattraktion ist ein riesengroßes rotes Tor, das im Wasser steht – sofern nicht gerade Ebbe ist. Für uns ist es ein Inbegriff von Japan, das O-Torii. Sönke wollte das schon seit Beginn seines Judolebens sehen – und das sind nun schon rund 50 Jahre. Bei mir sind es nicht ganz 50 Jahre Judo, aber es stand definitiv auch auf meiner Bucketlist. Es ist übrigens nicht auf einem Fundament gebaut, aber es ist megaschwer und steht von daher stabil. Wir fanden es beide beeindruckend und haben es genossen, es einfach anzuschauen.
Auf der Insel leben „wilde“ Rehe. Die haben wie die Spatzen gelernt, dass man vor Menschen keine Angst haben muss und es durchaus das eine oder andere Leckerchen zu ergattern gibt. Manche stecken ihre Schnauzen auch ganz ungeniert in die Taschen der Leute oder wollen am Eis mitlecken.
Auf der Insel gibt es einige Tempel, Schreine und Klöster verschiedener Glaubensrichtungen. Witzig fand ich kleine Buddhas, die überall am Boden verteilt waren oder aus der Erde schauten und eigene kleine „Aufgaben“ hatten. Manche trugen rote Häkelmützen auf dem Kopf. Und wer einen speziellen Beistand möchte, legt eine Münze auf die Mütze oder an die Figur.
Leider ging es Silja nicht so gut – irgendwie hat sie seit gestern wohl etwas nicht ganz vertragen. Jedenfalls ist sie mit der Fähre zurückgefahren und Sönke und ich haben uns eine echte Tour vorgenommen: Rauf auf den Berg, etwas mehr als 500 Meter hoch. Es geht über Treppenstufen steil nach oben: Bei rund 2500 Stufen habe ich aufgehört zu zählen.
Aber wir haben es geschafft! Morgen – nein eigentlich schon heute – tun uns bestimmt wahlweise Knie oder Hüften weh. Wir Schreibtischtäter sind halt doch nicht mehr so ganz fit. Mit der Seilbahn sind wir wieder nach unten gefahren, denn man muss es ja auch nicht übertreiben.
Zur Belohnung haben wir uns noch eine halbe Stunde auf eine Bank gesetzt und das tolle Tor genossen.
Ein Engländer, den wir unterwegs mit seiner Tochter getroffen hatten – sie liefen runter und wir wollten wissen, wie weit es noch wäre – sprach Sönke später an, ob er es bis nach oben geschafft hätte. Er zollte Sönke Respekt für seine Leistung. Damit hatten weder er noch seine Tochter gerechnet. Tschagga!
Ein Eis haben wir uns auch noch gegönnt, bevor wir auf die Fähre sind. In unserer Unterkunft war es Silja noch immer nicht nach Essen, aber eine Mütze Schlaf hatte ihr gut getan. So sind Sönke und ich alleine in ein Yakiniku- (Grill-) Restaurant gegangen: Die Kohlenhydrat-Akkus wollten unbedingt wieder aufgefüllt werden.