Der Tag fing blutig an: Erster Halt „Christi-Auferstehungskirche“, im Volksmund „Kirche auf dem Blut“. Welch traurige Geschichte: Zar Alexander II. wurde ermordet und sein Sohn hat genau auf diesem Grund und Boden zu Ehren seines Vaters diese Kirche erbauen lassen. Sie ist eine der bekanntesten Kirchen St. Petersburgs und Fotos von ihr sind in jedem St. Petersburg-Prospekt zu sehen. Wir haben sie nur von außen betrachtet: Aber ich denke, wir werden sie in unserer freien Zeit auch noch von innen ansehen.
Die zweite Station unserer großen Stadtrundfahrt war die Isaacs-Kathedrale: Auch sie haben wir erst nur von außen angeschaut. Ein imposanter Bau, in dem 12000 Mensch Platz haben sollen. Nein, keine Null zuviel, voller Ernst.
Auf der Weiterfahrt hat Anna uns viel zur Entstehungsgeschichte von St. Petersburg erzählt. Insbesondere der sumpfige Untergrund war eine schwierige Hürde, die Peter der Große zu bewältigen hatte: Aber der Ostseezugang und damit der Handel mit Europa waren aller Anstrengungen wert. Aufgrund des schwierigen Untergrundes gibt es keine Keller und die U-Bahn liegt besonders tief. Aber dazu später.
Wir sind ans andere Ufer der Newa gefahren und hatten bei unserem nächsten Stopp einen herrlichen Blick auf den Winterpalast und die Eremitage. Irre, wie groß das Gelände und damit die Kunstsammlung ist: Das genauer zu betrachten steht morgen auf dem Plan.
Einen längeren Stopp hatten wir an der Peter-und-Paul-Festung: In der Kathedrale dort sind alle Zaren und Familienangehörige der Romanows begraben. Eine Kirche mit mächtig viel Gold – schon beeindruckend, aber ich fand sie ohne „Esprit“. Aber mindestens hat Anna unsern Geschichtsunterricht wieder aufgefrischt und uns die gesamte russische Zarengeschichte wieder nahegebracht und mit so manchen Mythen aufgeräumt.
Mit einem kurzen Umweg über den „Panzerkreuzer Aurora“, von dem der Startschuss zur Oktoberrevolution gefallen sein soll, sind wir Richtung Mittagessen gefahren. Das war okay, aber nichts Besonderes. Da dort die offizelle Tour zu Ende war, sind wir alleine weiter: Als Erstes haben wir eine Bootsfahrt auf den Kanälen gemacht: Das war sehr nett, die schönen Häuser längs der Kanäle anzuschauen – viele hübsche Balkone und Hausverzierungen.
Danach sind wir rüber zur Isaacs-Kathedrale: Erst sind wir hochgestiegen zur Kuppel und hatten einen wunderschönen Blick über die Stadt. Danach sind wir ins Innere der Kirche: Gewaltig! Das viele Gold, Ikonen, tolle Mosaiken und ein leuchtendes Glasbild tun ihr Übriges zu dem Gigantismus der Kathedrale hinzu. Zu allem Überflusss steht der Bau ob des sumpfigen Untergrundes auf Pfählen. Eine architektonische Meisterleistung, ohne Frage.
Auch hier ist die Metro ein Hauptverkehrsmittel: Sie musste allerdings sehr tief gebaut werden, damit die U-Bahn unter den wasserführenden Schichten liegt. Und die Menschen müssen dann natürlich auch zur Bahn gebracht werden, die über 100 Meter tief liegt. Und da habe ich meinen persönlichen Rolltreppenrekord von Moskau gleich nochmals überboten: 3 Minuten 20 Sekunden braucht man, um entweder nach oben oder unten zu gelangen.
Unser Ziel war eine Moschee: Vielleicht lag es an meinem Erlebnis-Overflow, aber mich hat sie nicht so begeistert. Ja, sie war schon ganz nett von außen (innen war gerade Gottesdienst, daher haben wir unsere Nasen nur kurz reingehängt), aber mehr auch nicht.
Ich habe die Segel gestrichen und wir sind zurück mit einem Abstechen in einem kleines georgisches Lokal. Zwar haben wir uns ein Gericht geteilt, aber sind dennoch viel zu vollgestopft wieder raus. Ein Weinchen mit Tourkollegen aus Hannover hat den Abend beschlossen.








