5. Tag – Fahrt nach St. Petersburg

Wir haben es ruhig angehen lassen und sind am späten Vormittag in den Bus zum Bahnhof gestiegen. Den Stadtplan muss ich mir unbedingt nochmals zu Gemüte führen. Der Platz an dem der Bahnhof liegt heißt im Volksmund „Platz der drei Bahnhöfe“. Und tatsächlich gibt es dort drei Bahnhöfe, deren zugehörige Gleisführung ich allerdings noch nicht ganz verstanden abe. Und schon gar nicht, warum man das alles nicht zusammengeführt hat. Na ja, kenn ich ja von meiner Programmiererei: Was funktioniert, will man nicht aufräumen …

Dort am Bahnhof haben wir tatsächlich die ersten Grafittis entdeckt: Ansonsten ist die Stadt picobello sauber – also wirklich sauber, null Kippen und Kaugummiflecken. Nun, wir haben uns von unserer Reiseleiterin Lada verabschiedet und sind an unseren Waggon gegangen. Dort stand bereits ein Bahnbegleiter in schnieker Uniform und kontrollierte stilecht mit weißen Handschuhen unsere Tickets und Pässe. Ach ja, wir sind mit dem russischen ICE – dem Sapsan – gefahren. Das war schon ganz nett: Schön ausgestattet und vor allem … pünktlich.

In Moskau stand der Zug bereits eine halbe Stunde vorher zur Abfahrt bereit – da wurde das Gros der Leute kontrolliert. Unterwegs haben wir nur zweimal kurz gehalten, da sind sicherlich nicht viele Leute eingestiegen. Ansonsten ist der Zug mit rund 200 Sachen durch die Landschaft gedüst: Anfangs noch die Trabantenstädte mit den Wohnsilos aus der Moskauer Umgegend, dann wurde es schnell sehr ländlich mit den Datschas. Und dann viel, viel Wald mit vornehmlich Birken und dazwischen Tannen. Und Bärenklau in rauhen Mengen. Viele moorige und sumpfige Landschaften. Dazwischen idyllische Seen und Bäche. Und so gut wie gar keine Landwirtschaft. Ich habe mich echt gefragt, wovon die Leute in den kleinen Ortschaften leben.

In St. Petersburg angekommen, sind wir von Anna, unserer neuen Reiseleiterin empfangen worden: Wow – sie spricht perfektes Deutsch. Auch sie hat ihren Hühnerhaufen gut zum Hotel gebracht und uns mit ersten Informationen versorgt. Unter anderem hat sie einen Tipp für ein georgisches Restaurant gegeben: Den haben wir nach dem Checkin im Hotel beherzigt und können nur bestätigen, dass das eine gute Empfehlung war. St. Petersburg wird auch „Venedig des Nordens“ genannt: Entlang eines Kanals sind wir zum Hotel zurückgelaufen – irgendwie ist alles eine Mischung aus italienisch, französisch und niederländisch. Die Stadt ist viel europäischer als Moskau. Und keine zig Pseudosicherheitskontrollen.

Die Stimmung empfinde ich hier auch anders: Keine Zuckerbäckermonsterministerienbigbrotheriswachtingyou-Bauten. Ich freue mich voll auf morgen.