Was für ein wunderschönes Fleckchen Erde wir heute wieder gesehen haben! Vater und Sohn haben uns mit ihrem Taxi abgeholt, nicht ohne mit herzlichen Umarmungen von unseren Gastleutchen verabschiedet worden zu sein. In zügiger Fahrt sind wir Richtung Berge gefahren worden. In den Bergen hatte das Auto schon das ein oder andere Mal zu kämpfen, bis wir oben bei El Nicho angekommen waren.
Erfreulicherweise waren wir recht früh da und mit einem Guide sind wir in einer kleinen 8er Gruppe losgezogen. Gleich zu Beginn hatten wir Glück und haben den Nationalvogel Kubas, den Tocoroco, gesehen. Über kleine Wege sind wir durch den Urwald gestapft, immer entlang eines Flusses. Zwischendrin mussten wir kleinere Nebenläufe auf schmalen Stegen überqueren. Kleinere Fälle ließen bereits erahnen, wie schön die größeren Fälle sein müssten. Und dem war dann auch so: Wunderschön – was eine Kulisse! Dann ging es bergauf zu weiteren Fällen mit natürlichen Becken: Badezeit, wer wollte. Wir hatten leider kein Badezeug dabei, aber vielleicht war das unser Glück. Sönke hatte schon die ganze Zeit für unsere Gruppe übersetzt (der Guide sprach ausschließlich spanisch) und saß, auf die Badenden wartend, neben dem Guide. Der bot an, dass wir noch eine kleine Extratour aus der Reihe machen könnten. Und als wir wieder komplett waren, stimmten die anderen auch gerne zu und so kam es, dass wir an einer Stelle eine Absperrung geöffnet bekamen und alle durchschlüpften.
Wir wurden immer weiter bachaufwärts geführt, an einem riesigen Bambus vorbei, einer kleinen Höhle, bis wir an der Quelle des Baches an einer Tropfsteinhöhle angekommen waren. So schön – ich hätte dort noch stundenlang bleiben mögen. Unser Guide meinte, dass er nicht oft hier oben mit einer Gruppe hingehen würde – es gäbe zu viele Leute, die nur baden oder ihre Namen in die Steine ritzen wollten. Uns sind schon viele Geschichten auf unseren Reisen erzählt worden, insbesondere in Marrakesch: Aber hier sprach einiges dafür, dass wir wirklich etwas Besonderes gezeigt bekommen haben, was nicht jeder zu Gesicht bekommt.
Mit weiteren tollen Ausblicken ins Tal sind wir zurückgelaufen. Unser Fahrer empfing uns wieder und wir setzten unsere Fahrt nach Trinidad fort. Eine recht üppige Landschaft mit Zuckerrohr und Orangenbäumen durchquerten wir und sind dann den Rest an der Küste entlanggefahren. In der Stadt angelangt haben wir unsere Unterkunft mit etwas Durchfragen gefunden: Es hat etwas Durcheinander gegeben, in welchem Casa wir nun nächtigen sollten. Das wird alles irgendwie untereinander organisiert und geregelt. Aber nachdem wir als Ende vom Lied ein recht nettes Zimmer für die nächsten Tage hatten, war für uns alles in bester Ordnung.
Wir haben von verschiedensten Seiten gehört, wie toll Trinidad sein soll. Nach kurzer Pause und Abwarten der größten Mittagshitze haben wir uns auf den Weg gemacht. Unsere Unterkunft liegt ziemlich im alten Kern: So hatten wir es nicht weit zur Treppe an der Casa de la Música. Dort wird abends Livemusik gespielt und überhaupt ist dann da eine Menge los. Jetzt lag sie noch in brütender Mittagshitze. Wir haben im Schatten eines Hauses den Hotspot genutzt, um unseren gestrigen Bericht einzustellen: Zu wirklich mehr hat es verbindungstechnisch nicht gereicht. Der nächste Haltepunkt war ein Museum mit Glocken- bzw. Aussichtsturm. Pflichtschuldigst haben wir die Museumsrunde gedreht: Es ging mal wieder um eine (oder mehrere) Revolutionen, die dieses Land gesehen hat. Ehrlich? Kein Bock mehr auf Revolutionen (und wenn Che Guevara wüsste, wie sehr sein Konterfei mittlerweile vermarktet wird, könnte er mit seinen Grabesumdrehungen als Turbine fungieren. Auch dass die Polizei im Ärmelabzeichen das Wort „revolucion“ benutzt, mutet mindestens mir reichlich merkwürdig an). Nun, vom Turm aus hatten wir einen netten Ausblick auf das Städtchen.
Unten angekommen, sind wir in ein Lokal: Eine junge Frau stand von einem Tisch auf und kam auf uns zu. Wir dachten zuerst: Oh, vielleicht geschlossene Gesellschaft. Dann zeigte sie auf meinen Hut und mein nächster Gedanke war: „muss ich den jetzt wie in der Kirche abnehmen?“ Nein, sie wollte nur wissen, woher ich ihn hatte: Mir ist schon ein paar mal aufgefallen, dass dieser Hut für Gesprächsstoff sorgt – mir gefällt er ja auch ausnehmend gut. Aber ich musste die Lady enttäuschen – Guatemala liegt gerade nicht um die Ecke.
Nach dem bislang besten Essen in Kuba (óctopus a la criolla) – sonst gut und solide und lecker, aber nicht wirklich überragend – haben wir noch ein Ründchen durch die Gassen gemacht, aber irgendwie hat es für heute gereicht. Morgen ist auch noch ein Tag.








