Teuflische Kurven


Viel zu spät losgekommen: Also Autobahn nach Lucca. Unser Quartier haben wir strategisch günstig in einigermaßen Nähe zu Lucca, Florenz und Pisa gewählt. Auf einer Hügelkette gelegen haben wir einen wunderbaren Blick auf die vielen Orte unten im Tal. Die Betreiber des Hotels sind absolut freundlich und zuvorkommend: Gut gewählt!

Also Autobahn und außerhalb der Stadtmauern geparkt. Lucca ist so „eingestadtmauert“, dass keiner so rechte Lust hatte, dieses Städtchen jemals anzugreifen. Allerdings war es auch in gewisserweise eingemauert: Viel Erweiterungsmöglichkeiten gab es nicht.

Vom Norden haben wir unsere Tour begonnen und sind sogleich bei der ältesten Kirche Luccas gelandet. Von dort ging es weiter zur Arena: Dort finden aber keine Stier-, Hahnen- oder Hundekämpfe mehr statt, sondern eher Balzkämpfe zwischen Horden von Jugendlichen: In der Nähe ist die Jugendherberge …. Die Ränder der ehemaligen Arena sind mit Häusern bebaut: Mit den Cafés und Läden hat der Platz einen ganz anderen Charakter – aber durchaus mit Charme.

Ein kleiner Espresso-Stop am Markt und weiter ging es durch die Haupteinkaufsgasse mit kleinen Läden bis zu einem Turm: Torre della Oro. Wir haben ordentlich geschnauft, bis wir oben angekommen sind. Der Blick über Lucca ist sehr nett – das ganze Häusergewirr ist so eng, dass man von oben kaum die Gassen gesehen hat. Auf einem anderen Turm sind obenauf Bäume gewachen, das sah kurios aus, aber angesichts der zu erwartenden Schnauferei sind wir nicht zu diesem Turm, um ihn zu besteigen.

Wieder unten in den Gassen gelangten wir an eine große Piazza und von dort aus zum Dom. Die Fassade war wieder imposant mit vielen Details, die man kaum erfassen kann. Jede Säule anders, viele Statuen und Motive. In dem Dom konnten wir eine Statue bewundern mit St. Martin, wie er seinen Mantel mit dem Bettler teilt. Und viele schöne bunte Kirchenfenster mit den Aposteln und auch deren Namen im Glas.

Wir sind zum Auto zurückgeschlendert und wollten außerhalb zu den Villen der Lucceser, die irgendwann einmal beschlossen hatten, ihren Reichtum auch außerhalb der Stadt mit Landwirtschaft zu mehren. Leider waren alle Villen (Montag) geschlossen und auch der Park war aufgrund von Sturmschäden geschlossen. Das habe ich bedauert, weil es in dem Park ganz viele Kamelien geben soll, die zur Zeit blühen. Und zwar richtig viele und richtig große Kamelien, im Vergleich sich die in unserem Garten sehr mickrig ausnimmt. Aber das sage ich ihr nicht, denn Kamelien sind schnell beleidigt …

Also sind wir weiter Richtung Bagna di Lucca und haben in Burgo a Mozzano die Teufelsbrücke bewundert. Die ist mit ihren Bögen und Krümmungen so verrückt konstruiert, dass sich das nur der Teufel ausgedacht haben kann.

Der Teufel hat sich auch bestimmt die hundertausend Kurven ausgedacht, die wir anschließend gefahren sind. Ich hatte mir eingebildet, dass ich ganz unbedingt eine enge Schlucht mit Wasserfällen sehen muss (Orrido di Botri): Leider aber ist die geplante Tour nur im Sommer möglich, wurde uns am unteren Einstieg gesagt, aber wir sollten 5 Kilometer weiter fahren, dann könnten wir sie von oben sehen. Nur leider haben wir das auch nach 6 Kilometern nicht gefunden und die Straße ist immer liderlicher geworden, so dass wir umgekehrt sind und alle Kurven wieder rückwärts genossen haben.

Nächster Wunschstopp war die Tropfsteinhöhle Grotta del Vento: Um 18 Uhr sollte die letzte Führung sein. Sönke hat den Italiener ausgepackt (Ferrari, barucht ihr noch wen?) und 2 Minuten vor 18 Uhr waren wir tief in dem Tal mit zig engen Kurven an der Höhle angelangt. Und haben eine Privatführung erhalten! Sie ist die zweitgrößte Höhle Europas mit sehr hohen bzw. tiefen Kaminen und ausgewaschenen Gängen. Prädikat: Sehenswert!

Auf dem Rückweg ins Tal (ja, langsamer …) haben wir noch kurz an einer Einsiedelei Halt gemacht, dann aber den Rückweg angetreten.

Eigentlich hat der Koch unseres Hotel die Küche dicht gemacht, aber wir haben noch einen wunderbaren Roastbeefteller erhalten. Mehr wollten wir auch nicht: Sönke hatte am Vortag etwas despektierlich gesagt, dass eine vorübergehende Frau gut über den Winter gekommen sei – ich meinte dazu, dass ich keinen Winter dazu brauchen würde, wenn ich weiter so auf italienische Art futtern würde …