Marmor


Wir haben den Wecker zwar etwas eher klingeln lassen – aber irgendwie sind wir nicht wirklich früher losgekommen.

Livorno sollte die erste Station sein: Der Markt ist als toll beschrieben worden und wir lieben Märkte. Joah, der war auch ganz nett. Genossen haben wir aber vor allem die normale Lebendigkeit – der Tourirummel gestern in Florenz war de facto zu viel. Hier die Leute beim Anpreisen und Kaufen der Waren zu beobachten war – ja – erholsam.

Ein Viertel in Livorno ist von Kanälen durchzogen: Nach dem Markt sind wir dort auch noch durchgeschlendert. Selbst in einer Kirche sind wir noch gewesen: Schön, ja, aber der overflow von gestern hat – mindestens mich – innerlich abblocken lassen.

Von Livorno sind wir weiter nach Pisa: Die Cousine meines Vaters wohnt dort und wir hatten überlegt, sie noch zu besuchen – aber erstens ist uns die Zeit davongerannt und zweitens stört man Italiener nicht in ihrer Mittagspause.

In Pisa haben wir einen Topparkplatz nicht weit des Doms bzw. des schiefen Turms gefunden. Und na klar:Touristenströme! Ok, wir wollten ihn sehen, also los. Auf dem „Campo dei Miracoli“ waren mindestens 50% der Besucher dabei, den Turm wieder gerade zu richten: Die ganze Welt war daran beteiligt. Wie das geht? Indem es in gebührendem Abstand zum Turm einen einen oder mehrere „Geraderichter“ gibt, die ihre Hände so halten, dass es aus der Perspektive des Fotografen so aussieht, als ob die Geraderichter den Turm stützen. Ich hatte einen Haufen Spaß daran, die Fotografendirigenten beim Positionieren ihrer Models zu beobachten ….

Mit einem Gang durch die Altstadt haben wir die Pisarunde beendet: Ich war auch froh, aus der Sonne und dem Getümmel raus zu kommen.

Dritter und letzter Programmpunkt – auf den ich mich am meisten gefreut habe – sind die ca. 50 km weiter nördlich gelegenen Marmorsteinbrüche von Carrara. Vor ungefähr 40 Jahren haben sie mich damals schon beeindruckt und ich wollte sie gerne noch einmal richtig bewusst sehen.

Der Marmor aus Carrara ist sicher einer der berühmtesten der Welt: Was ist nicht schon alles aus ihm gemacht worden: Von imposanten Kirchen- und Palastbauwerken, berühmte Kunstwerke bis hin zur Verwendung des Marmorstaubs als Zutaten in Chemie und Industrie.

Die Brüche waren schnell gefunden – zu übersehen sind sie schließlich nicht. Auf der Strecke begegnet einem der eine oder andere 20-Tonner mit einem dicken Marmorblock beladen – auf den Sträßchen schon irgendwie irre. Allerdings waren wir kurz nach Feierabend da – sind davon also weitestgehend verschont worden.

In einem der Brüche konnte man eine Tour mitmachen: Mit einem Jeep sind wir in die Brüche hochgefahren worden und haben viel über den Abbau erfahren. Ein hartes und vor allem staubiges Geschäft. Diese Riesensteinbrüche fand ich auch heute wieder absolut interessant. Supergerne hätte ich auch eine Tour ins Innere der Brüche gemacht (ja, die Monsterblöcke werden auch aus den Tiefen der Berge geschnitten), aber die Tour hatte zu. Wenn man sich die ganze Kette der Produktion vor Augen hält (vor allem auch die dahinterstehende Logistik – und das auch vor vielen hundert Jahren!), dann ist so ein „David“ nicht nur im künstlerischen Sinn eine enorme Leistung.

Unser Steinbruchführer hat uns gesagt, dass die Brüche zwar staatlich sind, der Abbau aber an private Firmen per Konzession vergeben ist. Da aber schlecht abgeschätzt werden kann, wie ergiebig bzw. welche Qualität der Marmor hat, werden alle Ladungen gekennzeichnet und zentral im Ort gewogen und quantifiziert – und danach wird die Konzession bezahlt.

Marmor gibt es in unterschiedlichen Farben und Qualitäten: Was mir aber gar nicht so bewusst war, ist, dass damit auch eine unterschiedliche Härte des Gesteins einhergeht. Der reinweiße Marmor ist beispielsweise so weich, dass man es ritzen und natürlich auch perfekt zu Statuen formen kann.

Wir haben uns dort ein grünes Marmor-Käseschneidbrett und – meiner Backfreudigkeit entgegenkommend – ein Nudel-„holz“ aus weißem Marmor geholt – darüber freue ich mich richtig.

Und wieder haben wir keine Pizza gegessen – das müssen wir in Rom noch unbedingt machen, sonst werden wir an der Grenze vermutlich zurückgeschickt …. Aber das Risotto mit Wachtel und die Maccaroni mit Karnickel waren auch lecker….