7. Tag – Gemütlicher Ausflug nach Lugang

Eine Woche sind wir schon unterwegs! Nachdem wir gestern so viel auf dem Programm stehen hatten, wollten wir heute ein gemächlicheres Sonntagsausflugsprogramm starten.

Also haben wir erst gemütlich direkt um die Ecke gefrühstückt und uns dabei Zeit gelassen. Danach sind wir – nicht ganz so direkt … – zum Bahnhof: Dort haben wir unsere EasyCards aufladen wollen, aber meine Karte streikte. Wir haben nicht lang rumgemacht und eine neue Karte gekauft. Dann haben wir eine bestimmte Bushaltestelle gesucht und auch gefunden. Just in diesem Moment fuhr der kleine Bus sie an und wollte gleich weiterfahren: Aber Sönke, unser Kugelblitz, ist hinterher und hat ihn gestoppt bekommen und wir sind flott reingehüpft.

Unsere Fahrt dauerte ungefähr 1 1/2 Stunden und wir haben nicht mal zwei Euro dafür bezahlt. Unsere Fahrt ging aus der Stadt raus und dann „über Land“. Taiwan hat ungefähr die Größe von Baden-Württemberg. In der Mitte der Insel sind recht hohe Berge und das wenige flachere Land drumherum wird intensiv genutzt. Die Bauten gehen in die Höhe und das Land an sich ist extrem zersiedelt. Das hatten wir bereits beim Anflug gesehen: Es gibt zwar schon mal Ansammlungen von mehreren Häusern,neben den Städten, aber meistens sind Häuser und Felder bunt durcheinandergewürfelt. Heute hatte ich Reisfeld, Tempel, Reisfeld, Fabrik, Haus, Feld im Wechsel gesehen. A propos Reisfeld: Zur Zeit ist gerade Pflanzzeit. Manche der Felder liegen noch trocken, in anderen sind die Setzlinge schon in Reih und Glied eingepflanzt.

In Lugang sind wir auf der Hauptstraße ausgestiegen und hatten direkt schon ein altes restauriertes Haus eines kaiserlichen Gelehrten der Din-Familie vor der Nase. Die Din spielten eine wichtige Rolle beim Aufbau des Handels in Lugang. In dem Haus waren auch drei Sänften ausgestellt: Die Leute müssen ganz schön klein gewesen sein, denn selbst Kirsten hätte nur mit Mühe hineingepasst.

Danach sind wir durch kleine, verwinkelte Gassen aus der japanischen Zeit von Lugang geschlendert. Früher wurden in Lugang (= „Hirsch-Hafen“) viele Hirsche gejagt, und die Felle nutzten die Samurai als Teil ihrer Ausrüstung. An den Türen sah man überall noch rote Glücks-Banderolen. Wir erreichten den Longshan-Tempel: Mit 10.000 qm schon in beachtlicher Größe. Aber das Besondere hier sind die Schnitzereien, die nur wenig bemalt sind. Dadurch wirkt der Tempel sehr natürlich. Die Schnitzereien und die Holzbauweise sind einfach phänomenal.

Dann haben uns ein paar Einheimische eine Künstlerstraße empfohlen: In einzelnen kleinen Häusern stellten Künstler ihre Werke aus, aber sie hatten alle Mitmach-Ateliers. Nette Idee!

Dann erreichten wir die eigentliche Altstadt mit ganz vielen Häusern im japanischen Stil: Lädchen reihte sich an Lädchen. Und dann haben wir was gesehen, das kann es nur in Asien geben. Die Asiaten lieben Automatenspiele. Und für Kinder gibt es ebenfalls „Spielhöllen“: Mit Kästen aus Holz mit Geschicklichkeitsspielen – beispielsweise Kugelrollbahnen. Hammer!

Nach einer kleinen Nudeltaschenstärkung sind wir weiter und an einem Laternengeschäft vorbeigekommen. Der uralte Inhaber hat es schon zu einiger Berühmtheit gebracht und seine guten Laternen sind echte Sammlerstücke. Mittlerweile haben die Söhne den Laden übernommen – und einer davon bemalte gerade eine Laterne. Stolz präsentierte er sich und seine Laternen und wir durften und sollten unbedingt Fotos machen. Und wir haben uns noch in seinem Gästebuch verewigt. Gerne hätten wir auch eine Laterne mitgenommen, aber die hätte den Transport per Rucksack sicherlich nicht überstanden.

Wir sind weiter zu einem anderen tollen Laden: Einem Fächermaler. Auch er ist berühmt für seine Werke, für die unter Sammlern gutes Geld bezahlt wird. Aber er macht auch ganz einfache Fächer und freut sich über die Leute, die über seine ruhige Hand staunen: Sein Alter wissen wir nicht, aber er hat schon reichlich Jahre auf dem Buckel. Der Meister zeigte uns, wie er einen Fächer mit dem Tuschepinsel bemalte. Und genau diesen Fächer habe ich dann auch mitgenommen (für solch einfache Fächer nimmt er nur ein paar Euro. Er hatte auch andere für uns bezahlbare Fächer, aber ich mag einfach die Schlichtheit dieser Art).

Damit war unser Sonntagsausflug beendet und wir sind mit dem Bus zurück in die Stadt (Sönke hat mal wieder – wie in Guatemala – zielsicher erst das Busdepot gefunden, aber der Busbahnhof war zum Glück nicht weit). Kurz hatten wir noch überlegt, ob wir zu einem Dorf fahren mit einem Erdbebenmuseum, aber das war zeitlich nicht mehr drin. Schade, aber nicht zu ändern. In der Stadt haben wir noch lecker gegessen (Schwein, Rind, Hühnchen und Gemüse mit Reis), dem Schrittzähler noch einen 2-Kilometer-Verdauungsspaziergang zur Unterkunft gegönnt und den Abend mit unserem schon fast traditionellen Sit-In bei Rotwein bei unserem Zimmer gemütlich beendet.

Morgen fahren wir weiter, raus aus der Stadt zum Sun-Moon-Lake: Der heißt so, weil die Schriftzeichen von oben so aussehen, wie die Form des Sees.

2 Gedanken zu „7. Tag – Gemütlicher Ausflug nach Lugang“

  1. Hallo ihr Lieben,
    Ihr seid ja schwer in Aktion. Wie wir aus den Bildern sehen, ist es eine ganz andere Welt und damit spannend. Wie vertragt ihr das Essen? Was ist das für ein Rotwein?
    Gudrun und Ralf sind wieder wohlbehalten daheim und erholen sich von den Reisestrapazen. Auch sie werden viel zu erzählen haben.
    Bei uns „frühlingt“ es weiter mit blühenden Narzissen, Krokussen, Leberblümchen, blauen Anemonen und Schlehen – und das im Februar.
    Unsere Frühlingsgefühle plagten uns so arg, daß wir die drei Washingtonien gestern aus den Anbau in den Garten hinausbefördert haben.
    Der Seebuck ist mit einigen cm Schnee gerade noch so befahrbar. Um den Dreck müssen die Leute halt rumkurven.
    Weiterhin erlebnisreiche Tage!!!

    1. Das Essen vertragen wir wunderbar: Aber ich klopfe gleich mal auf Holz, damit das so bleibt!!! Wir hatten einen taiwanischen Rotwein zuerst, aber Sönke meint dazu: „Verdünnter Kirseberry“ – also nicht so der Hit. Wir haben uns dann auf die Rotweine der Welt verlegt …

      Liebe Grüße aus unserem Dschungelcamp!

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