Wir wollten ihn doch noch von innen sehen, den Zarenpalast aus Holz. Versorgt mit einem Metro-Tagesticket, Käppi für Sönke und einem weiteren Hut für meine Sammlung (nein – an meinen Guatemala-Lieblingshut kommt dieser lange nicht ran, aber er tut seinen Dienst), sind wir losgeturnt. Und haben ein kleines Statiönchen mehr genommen als das letzte Mal: Und siehe da, zweimal lang hinfallen und wir waren da.
Der Gebäudekomplex ganz aus Holz ist wirklich toll – es roch voll nach Sauna. Die Inneneinrichtung war eines Zaren würdig: Wunderschöne Möbel, Ledertapeten, Ikonen, edle Stoffe, wunderschöne Kaminöfen – das volle Programm. Interessant fand ich, dass nicht nur der Zar ein Audienzzimmer hatte, sondern auch die Zarin. Ihr wurden vornehmlich Dinge vorgetragen, bei denen sie bei ihrem Mann mal eher für Gutwetter sorgen sollte. Toll fand ich das Bad mit einem riesigen Badezuber. Und das ganze große Bad wurde wirklich als Sauna genutzt. Bis die aufgeheizt war …
Von dort aus sind wir zur Ismailowski-Vernissage gefahren: Das sollte ein Flohmarkt sein. Erst mal haben wir das Teil nicht gleich gefunden. Und als wir es gefunden hatten, waren wir enttäuscht: Es waren kaum Stände geöffnet und die, die geöffnet hatten, boten nur Quatschkram feil. Direkt dabei sollte ein Stalinbunker sein: Auch den haben wir gesucht und dabei Hinterhöfe und komische Gegenden passiert, bis uns eine Aserbaidschaner über eine Übersetzungsapp sagte, dass man den nur mit 3-wöchiger Voranmeldung besichtigen kann. Wir sind dann zurück zu dem angeblichen Flohmarkt und haben weder Fellmützen, Matruschjas oder Fabergé-Pseudo-Eier mitgenommen.
Wir hatten einen uns einen weiteren Mark ausgesucht, den Dorogomilewskijmarkt mit Lebensmitteln. Sehr ansprechend und appetitlich wurde Obst, Gemüse, Fisch (mit Stören frisch und geräuchert), Fleisch (auch Schweinehoden), usbekisches dunkles Brot präsentiert. Das hat uns mit dem anderen Markt wieder versöhnt. In einem kleinen Lokal direkt beim Markt haben wir Mittagspause gemacht: Leckeres Hühnchenschaschlik und Lammhackspieße haben uns wieder hergestellt.
In der Nähe lag eine Bootsanlegestelle und das haben wir direkt genutzt: Mit dem Boot sind wir zurück in die Stadt. Gemütlich zogen einige der Sehenswürdigkeiten an uns vorbei. Cool war diese Schwebebrücke von unten zu sehen: Sehr futuristisch.
Als wir ausstiegen, zog sich der Himmel etwas zu: Eines dieser Zuckerbäckerministerien sah vor dem grauen Himmel auf einmal sehr dramatisch aus. Wir haben eine kleine Pause im Sarjadje-Park gemacht – aber es hat doch nicht geregnet. Also sind wir über den roten Platz (mit perfektem Licht für ein Kitsch-Foto der Basilius-Katherale) und durch die Glitzer-Fußgängerzone zu dem Spielwaren-Kaufhaus. An einem Geschäft mit Naschies sind wir aber nicht heile vorbeigekommen: Ich liebe Toffees – und die waren so gut (weil nicht so zäh) und viele leckere Sorten (mit Lakritz oder mit Rum-Rosinen).
In dem Spielzeug-Kaufhaus sind wir ganz noch oben und dann nach außen auf eine kleine Galerie. Die Poser-Trullas konnte man dort gut ignorieren – der Blick über die Stadt war einfach schön.
Als letzten Punkt auf unserer Tour sind wir in einen sehr edlen Lebensmittelladen: Kein Vergleich zu Lidl, Aldi und Co. Versorgt mit einem Rotwein, haben wir die Rückfahrt angetreten. Morgen geht es nach St. Petersburg: Mal sehen, ob wir morgen früh noch etwas unternehmen – aber ich freue mich auch auf die Fahrt mit dem Sapsan.








