5. Tag – Leicht ausgebremst


Oha, Sönke ist heute morgen mit einem flotten Otto aufgewacht. Das schmeißt unsere Pläne natürlich etwas durcheinander. Nach einem gepflegten Jasmin-Tee hat sich Sönke wieder hingelegt und Kevin und ich sind ins National Museum getuktukt. So ein bissel Bildung schadet ja nie.

Es war ziemlich spannend, die Geschichten über die verschiedenen Gottheiten zu erfahren. Alles in allem scheinen manche Götter reichlich menschlich zu agieren… Interessant auch, dass die regierenden Königer gerne mal die eine oder andere Gottheit favorisiert haben, um das Volk jeweils nach Erfordernis zu steuern – also mal ist der Friedensgott stärker, mal der Kriegsgott.

Auch die Entstehungsgeschichte der Welt mit der Milchsuppe (sorry, die Story ist zu lang für diesen Blog) ist einfach klasse und entbehrt nicht einer gewissen Phantasie. Das Gegenspiel von Gut und Böse, das Miteinander arbeiten bei Erfordernis und einer regelnden Hand, wenn es doch mal nicht in die richtige Richtung läuft: Wunderbare, aber zugegebenrmaßen auch reichlich verwirrende Geschichten in gerne mal zig Versionen.

Ins Hostel zurückgekehrt war Sönke soweit wieder auf dem Damm, dass er für die Nachmittagstour mitkommen konnte.Wir haben wieder ein Tuktuk bemüht und sind direkt zu einem weiteren Tempel im Norden von Anchor Thom gefahren: Wieder so ein Tempel, der von Baumwurzeln wie mit Krakenarmen festgehalten wird. Ich bin jedes Mal aufs Neue fasziniert davon!

Vor dem Nordtor haben wir am Wassergraben angehalten: Dort stehen die Bäume im Wasser – ein tolles Bild.

Kurz darauf nächster Stopp: Ich bin am flitzen … – och nööö! Ein Stopp weiter, am Sunset-Point bei Angkor Wat, noch ein Flitzerchen, verbunden mit dem Stoßgebet, dass es doch halten möge, bis die Sonne untergegangen ist. Okay, wir sind also den Hügel raufgelaufen. Oben befindet sich wieder ein Tempel, der aber nur von 300 Leuten gleichzeitig bestiegen werden darf. Wir wussten, dass man früh da sein musste für den Sunset: Um kurz nach 15 Uhr waren wir oben und haben uns ein schattiges Plätzchen gesucht – bis zum Sonnenuntergang waren es mal noch gepflegte zwei Stunden hin.
Ich habe mir mit einem Nickerchen und dem Bereinigen meiner Speicherkarte, um noch etwas mehr Speicherplatz frei zu haben, die Zeit vertrieben. Als es an der Zeit war, haben die Aufpasser dort Bescheid gegeben, dass man sich so langsam mal ein Plätzchen auf der Westseite suchen könne. Das haben wir auch gemacht.

Es war erstaunlich, wie schnell sich aus dem leicht diesigen Einheitsbrei durch die längeren Schatten Konturen von Häusern und Bäumen formten. Die Sonne hat ein wirklich schönes Licht auf die Landschaft geworfen – doch, das war schön, wenn auch nicht so atemberaubend, wie es gerne geschildert wird. Wir sind runtergeklettert noch bevor die Sonne ganz weg war und haben unsere Visitorkarte abgegeben, die gar nicht schnell genug an die lange Schlange an Wartenden weitergegeben werden konnte. Sunset-Abklatschen …

Jedenfalls hatte der Tempel eine gute Aura und hat mein Bauchgrummeln hatte keine weiteren Folgen. Puh!

Die Rückfahrt war wieder mal ein Highlight: Alle Sunset-Besucher sind mit ihren Tuktuks zurück in die Stadt. Ich liebe dieses Getümmel – geregeltes Chaos aus Fußgängern, Fahrradfahrern, Tuktuks, Autos, Mopeds. Übrigens auch ein gute Übung für Entschlossenheit und konsequentes Handeln: Das Überqueren einer vielbefahrenen Straße. Schauen, ob man links eine Lücke findet, losgehen, nicht anhalten, kurz vor der Mitte nach rechts sehen, kurz die Lage checken, möglichst ohne Unterbrechung weitergehen. So handeln alle und justieren zwar permanent die Geschwindigkeit, aber sind berechenbar und verständigen sich locker per Sichtkontakt. Funktoniert genial gut.

Und noch ein Nachtrag zu gestern: Immer wieder haben wir so eine Art Kessel am Straßenrand gesehen. Bei näherer Betrachtung ist er aus alten Autoreifen gefertigt und sind Müllbehältnisse. Superclever!

Ach ja, inzwischen grummelt es bei Kevin – hoffen wir, dass es so glimpflich abläuft wie bei Sönke und mir: Morgen wollen wir an den Tonle-See zu den schwimmenden Märkte. Ich darf es keinesfalls vergessen, meine Kameraspeicherkarte auszutauschen …