Kleine Vertrauensübung in den kambodschanischen Straßenbau: Um 5:15 Uhr früh haben wir uns auf die Räder geschwungen und sind losgeradelt. Keine Straßenbeleuchtung und Licht an den Fahrrädern wird wohl überbewertet. Also einfach radeln und hoffen, dass nichts im Wege liegt. Schön kühl war es aber, so dass wir recht zügig vorangekommen sind. Spannend auch die Tiergeräusche, als wir aus der Stadt in den Wald kamen. An einer Station haben wir uns die Tickets für den Nationalpark gekauft und sind weiter durch die Nacht zu dem Punkt gefahren, an dem der Sonnenaufgang besonders schön sein soll. Nun, der Blick über den Wassergraben auf Angkor Wat war recht nett, aber leider war der Himmel leicht bedeckt, so dass uns das mit dem Supersonnenaufgang leider verwehrt blieb.
Die Tempelanlage Angkor Wat haben wir allerdings erst einmal „links liegenlassen“ und sind entgegen der Touristenströme zum Südtor von Angkor Thom gefahren. Die Stadt beherbergte im 12 Jahrhundert eine Million Einwohner. Das Südtor wurde bewacht von 54 Göttern und 54 Dämonen. Wunderschöne Steinfiguren mit ausdrucksvollen Gesichtern. Der Torturm war verziert mit vier Gesichtern, die in alle vier Himmelsrichtungen schauten. Erst habe ich sie gar nicht bemerkt, so verwittert war der Stein.
Dann erreichten wir den Mittelpunkt, die Tempelanlage Bayon: Ein beeindruckender Bau; Er bekommt durch den Verfall einen ganz eigenen Charme. Wir durchstreiften und erkletterten die Anlage: Immer wieder die Steingesichter und Apsaras – Abbildungen von Tänzerinnen in feinster Steinmetzarbeit. Außen an der umgebenden Mauer ein Relief mit kriegerischen Darstellungen – ebenfalls wunderschön ausgearbeitet.
Über eine Piste sind wir weiter zum Westtor. Dann wieder zurück und weiter zum Königspalast. Auch hier war Klettern über steile Leitern angesagt. Inzwischen war es sonniger geworden und ich habe mir meinen neu erworbenen Hut aufgesetzt – mit der Folge, dass ich aufgrund der Hutkrempe zwei Türbögen voll nicht gesehen habe und mir den Kopf gleich zweimal ordentlich angehauen habe. Mal sehen, wie lernfähig ich bin … Aber schön war es trotzdem.
Wir haben uns dann eine Mittagspause gegönnt – schließlich hatten wir nichts gefrühstückt: Zum halben Preis, dank Jeskos Handelskünsten. Frisch gestärkt ging es über einen relativ breiten Dschungelweg weiter zum Osttor (Voctor-Gate) und dann zum Deads-Gate. Dorthin gelangten wir aber nur über einen schmalen Pfad: Rechts und links hingen Bänder in den Bäumen mit der Warnung, den Weg nicht zu verlassen. Minen. Denn der Krieg der Roten Khmer in den 70er Jahren hat noch immer Spuren hinterlassen. Ganz wohl war mir bei diesem Wegabschnitt nicht, aber wir haben die Straße heil erreicht.
Auf dem Weg zum Ta Prohm haben wir noch Thommanon mitgenommen (aber schon leicht geschwächelt: Sönke hat gewartet und wir anderen drei haben uns umgeschaut).
Auf die nächste Station habe ich mich ganz besonders gefreut – und das zu Recht: Ta Prohm. Als wir die Fahrräder abgestellt haben, habe ich mir meine Bluse erst einmal um die Hüften gebunden: Bereits in der Früh war mir die Hose an delikater Stelle bei einem großen Kletterschritt gerissen und so langsam löste sie sich auf. Auf diese Weise war ich wenigstens noch gesellschaftsfähig …
Aber nun zum Tempel Ta Prohm: In dieser antiken Universität lebten einst rund 12 000 Menschen, vor allem Mönche. Dieser Flachtempel wurde relativ spät endeckt und der Erhalt ist schwierig. Die Gebäude sind von Bäumen überwuchert: Zum Teil sprengen sie mit den Wurzeln das Mauerwerk, zum Teil halten sie es zusammen. Phantastisch – nicht umsonst wurde diese Szenerie für den Film Tomb Raider genutzt (weshalb der Tempel auch scherzhaft Angelina-Jolie-Tempel heißt). Und auch meine Kamera kam hier fleißig zum Einsatz.
Kurz danach wir noch Banteay Kdei mitgenommen: Hier ist Sönke alleine rein und wir anderen haben dieses Mal gewartet (joi, die blöde Hose: Ich laufe mir langsam einen Wolf…)
Boah, die nächste Strecke war echt heftig: Die Hitze und die Sonne machten diesen Radelabschnitt zum Anstrengendsten. Wieder am Angkor Wat angekommen, sind wir zwar durch das Eingangstor durch, aber nur die Jungs sind weiter in die Anlage hinein. Lange waren aber auch sie nicht unterwegs und wir haben den Heimweg angetreten – erfreulicherweise meistens auf einer beschatteten Straße.
Nach einer dringend benötigen Dusche (wir hatten immerhin 10 Flaschen mit 1 1/2 Litern durch die Poren gedrückt … haben wir uns zum Essen in die Stadt aufgemacht: Khmer BBQ hatten wir gestern entdeckt und wollten das heute ausprobieren. Im Tisch ist ein Loch, in das ein Gefäß eingelassen wird. Unten ist es aus Stein mit glühenden Kohlen, obenauf gesetzt eine Schale. Die Schale ist rings mit einer Rinne versehen, in dem in einer würzigen Brühe Gemüse gekocht wird. In der Mitte ist ein Kegel mit Löchern: Dort werden Fleischstückchen gegrillt. Ein Stückchen Schweinefett auf der Spitze sorgt dafür, dass das Fleisch nicht kleben bleibt. 7 verschiedene Fleischsorten und dazu das Gemüse: Sehr lecker!
Zurück im Hostel haben wir uns von Jesko verabschieden müssen, der weiter zu einem Projekt musste. Und wir anderen drei sind ziemlich flott ins Bett geplumst.








