Es ist unglaublich schwül heute: Auf dem Weg zum Bahnhof läuft uns die Suppe nur so aus allen Poren! Entlang an den unzähligen Straßenständen, mit kurzem Abstecher in einen Hindutempel, treppauf, treppab über die Straßenübergänge finden wir schließlich den Hauptbahnhof. Der nette Gleisvorsteher nimmt uns quasi ab Billettverkauf unter seine Fittiche und gibt uns Bescheid, wann wir wo in den Zug einsteigen sollen. Wir möchten gerne eine Runde mit der Ringbahn fahren, quasi Hauptbahnhof, Vororte, Land, Vororte, Hauptbahnhof. Der Zug fährt nicht immer zur angegeben Zeit und auch nicht immer vom gleichen Gleis, insofern haben wir seine Hilfe gerne angenommen. Übrigens gilt im Zug: Küssen verboten!
Eine nicht immer schöne, aber absolut interessante Fahrt, sieht man doch die „Stadt von hinten“. Ich habe noch nie so viel Müll gesehen wie heute! In den Vororten etwas mehr, auf dem Land etwas weniger: Wie lange mag es noch dauern, bis diese Stadt müllmäßig kollabiert? Ja, ich habe tatsächlich einen Müllwagen gesehen und es gibt auch Leute, die den Müll sortieren: Aber das kann nicht ausreichend sein bei den Mengen, die da rumliegen, beziehungsweise in kleinen Haufen die Luft verpestend verbrannt werden.
Von der Bahn aus hatte man immer wieder Einblicke in das Gewirr von Wellblechverschlägen und Holzhütten in den Vororten. Die Leute haben wenig bis nichts. Dennoch ist es auffallend, dass die allermeisten sauber sind, ordentlich gekleidet und die Frauen hübsch frisiert. Und trotz Armut scherzen und lachen die Leute miteinander und scheinen nicht todunglücklich zu sein (das beeindruckte Kevin insbesondere). Wenn es nach Geld haben ginge, dann müssten die Menschen bei uns nur am jubeln sein. Und wir „Reiche“ sind immer wieder mit vielen freundlichen „Mingalaba“ bedacht worden oder mit einem Zuwinken oder Zulächeln. Mir persönlich hat dieses offene Verhalten tatsächlich geholfen, mit der Diskrepanz „armer Mensch – reicher Tourist“ fertig zu werden: Das fand ich überaus beeindruckend.
Für Sönke bemerkenswert war das gute Zusammenleben einer unglaublichen Völkervielfalt insbesondere hier in Yangon: Burmesen, Inder, Pakistani, Chinesen, Malayen und Weiße mit all ihren verschiedenen Glaubensrichtungen.
Im Zug ist Kevin mit einem Mönch ins Gespräch gekommen: Sehr interessiert hat er nach Kevins Eindrücken gefragt und selbst über die Demokratisierung seines Landes erzählt. Ein anderer Mönch hat sich gerne die Bilder in unserem Reiseführer angesehen. Eine nette Begegnung.
Nach unserer Fahrt sind wir an verschiedenen kolonialzeitlichen Gebäuden vorbei zur Hauptpost gelaufen: Sonst wird das nichts mit den Ansichtskarten 😉
Ja, diese alten Bauten werden hier engagiert kontrovers diskutiert: Abreißen oder renovieren. Einige Gebäude wurden lange Zeit von staatlichen Einrichtungen genutzt, aber nachdem Yangon nicht mehr Hauptstadt ist (Naypyidaw ist das nun), stehen sie dem Verfall nahe. Viele der bewohnten Hochhäuser sind über den Shabby-Charme hinaus: Die Abflußrohre außen an den Wänden lecken und werden von Farnen bewachsen. Oder man hat den Eindruck, dass nur noch die Fenstergitter das Haus zusammenhalten. Und dann wieder Baustelle über Baustelle mit neuen Hochhäusern. Praktisch gedacht: Von einigen der zig kleinen Balkone hingen Seile mit Haken dran, quasi Postbotenfreundlich 😉
In Yangon fahren übrigens keine Moppeds: Ein hoher General ist einmal von einem Mopped angefahren worden und hat sie daraufhin in der Stadt verboten. Die Umstellung von Links- auf Rechtsverkehr ging ähnlich spontan: Ein Astrologe hat dem Verkehrsminister prophezeit, dass er auf der linken Straßenseite einen Unfall haben würde. Grund genug, die Fahrseiten zu tauschen: Lief nicht sooo ganz ohne Probleme ab, erklärt aber die Lenkräder auf der „falschen“ Seite.
Ach ja, noch eine süße Begebenheit: Kevin lief ein paar Meter vor uns. Ein ganz kleines Mädchen rannte ihm entgegen und an ihm vorbei, stoppte ab, drehte sich um und lief auf Kevins Höhe zurück und musste ihn unbedingt nochmals ansehen. Sönke und ich mussten so lachen, da erst hat das Mädchen auch uns bemerkt und die Augen wurden noch größer… Die größte christliche Kirche in Myanmar haben wir noch angesehen: Ein stattlicher Bau mit schönen Glasfenstern, aber nicht überladen. Danach haben wir unsere kleinen Einkäufe ins Hotel gebracht und die Annehmlichkeit der kühlenden Klimaanlage auf unserem Zimmer genossen.
Nach kurzer Pause haben wir uns auf den Weg zum größten Tempel unserer Reise gemacht, dem Shwedagon Tempel (goldener Tempel). Absolut beeindruckend, welch eine unglaubliche Pracht! Gold über Gold, kunstvollste Schnitzereien, Verzierungen mit Diamanten und Edelsteinen – einfach Wahnsinn! Da wir gegen Abend da waren, war die sonstige Touristerei nicht mehr so ausgeprägt. Viele Gläubige beteten, kleine Öllampen erleuchteten die Figuren und die kleinen Stupas. Und die riesige Hauptstupa wurde angestrahlt und glühte fast. Es war eine ganz andere Stimmung als sonst in den Tempeln, viel inniger.
Zum Abschluss gönnten wir uns noch ein Essen in einem besseren Restaurant: Gebratene Ente. Was ein toller Urlaub geht da zu Ende! Und hat sogar noch ein unverhofftes Highlight in petto: Mit dem Taxi kamen wir gerade vor dem in Chinatown gelegenen Hotel an, da fetzten chinesische Drachen an uns vorüber – wir sofort hinterher! Die Drachen stürmten in die nächste kleine Seitenstraße und wurden bereits von lautem Getrommel erwartet. Kurz kämpften die beiden Drachen gegeneinander, dann wurden sie von einem Drachenbändiger mit Dreizack in ein Haus getrieben wurden. Noch ein paar Drachen kamen nach und nach an, mit glühenden Augen. Einer schaffte es, den Drachenbändiger zu veräppeln, so dass der in die falsche Richtung gelaufen ist. Welch einen Tanz hat der Drache dann aufgeführt und die Umstehenden riefen nachdem Bändiger: Und der besiegte auch diesen Drachen … Vermutlich hängt das noch mit dem chinesischen Neujahr zusammen, wir wissen es nicht, aber es war ein wundervoller Abschluss. Morgen fliegen wir nach Bangkok, Kevin weiter nach Shanghai, Sönke und ich über Abu Dhabi, München nach Hamburg. Wo waren nochmal die warmen Klamotten??











