23. Tag: Sklaven, Piraten und Grogue

P.S: Zum 15. und 16. Tag haben wir noch Bildergalerien eingefügt – die sind uns irgendwie durch die Lappen gegangen.
Heute ist mal Kulturelles angesagt – weltkulturerberelles: Ribeira Grande de Santiago, die alte Hauptstadt der Kapverden.
Mit Bus und Aluguer (dieses Mal eine Polizeikontrolle und dreifacher Fahrerwechsel) erreichten wir Cidade Velha (alte Stadt).
Diese Stadt hat eine mächtig wechselvolle Geschichte hinter sich: Zum einen war es Hauptumschlagplatz für den Sklavenhandel, zum anderen Ziel von Piratenüberfällen.
Wir sind auf dem Hauptplatz ausgestiegen, auf dem ein Denkmal steht, welches an den Sklavenhandel erinnert. Die Sklaven wurden getauft, eingearbeitet und quasi ein Schnellkurs in portugiesisch verpasst, um die Befehle zu verstehen. Wurden die Sklaven erst für den Aufbau auf Santiago gebraucht, entwickelte sich der Sklavenhandel im großen Stil. Zehntausende Sklaven sollen nach Spanien, Portugal und deren südamerikanischen Kolonien verschifft worden sein. Einige Sklaven haben versucht, von dort aus in die Berge zu entfliehen: Kein leichtes Unterfangen angesichts der Wasserknappheit und der Unkenntnis der landschaftlichen Verhältnisse. Ich mag mir das gar nicht vorstellen, wie verzweifelt diese Menschen gewesen sein müssen.
Unser Rundgang ging weiter in die Rua da Banana: Da befinden sich restaurierte Siedlungshäuser der ersten portugieschen Siedler. Die Bauform (Eingang, links und rechts davon ein kleiner Raum, dann ein Hof, in dem gekocht wurde) findet sich heute noch in vielen dörflichen kapverdischen Häusern.
Gleich daneben die erste koloniale Kirche der Welt: Sie ist wieder aufgebaut worden mit Unterstützung vieler Seiten, nicht zuletzt den Dorfbewohnern, die das (und anderes) zu ihrem Projekt gemacht haben. Ein weiteres Projekt war die Restaurierung des Seminario: Ein Priesterkonvent, um unter anderem Priester auszubilden, die dafür sorgen sollten, dass die Rassentrennung gewahrt bleiben solle. Denn es gab mittlerweile einige weiße Herren, die mit schwarzen Frauen zusammen waren und glatt auf den Segen der Kirche verzichtet haben.
Wir sind dann auf einem kleinen Pfad entlang der Ribeira gelaufen und haben das gesehen, was wir auf Santo Antao noch nicht live erlebt haben: Das Brennen von Grogue. Durch das ganze Tal waberte der Geruch von Brennöfen und dem Brand.
Nun: Das Zuckerrohr wird ausgepresst und der Saft vergärt. In kleinen Öfen wird das Feuer geschürt und in Kupferkesseln darüber der vergorene Zuckerrohrsaft destilliert. Das Rohr mit dem Destillat wird durch einen Wassertank zur Abkühlung geleitet. Nach einer weiteren Filterung (warum, habe ich nicht verstanden, ist doch destilliert?) ist der Grogue fertig.
Wir sind noch etwas weiter ins Tal hinein gelaufen, aber das einzig Spannende waren noch Eisvögel, die wir gesehen haben – und nicht nur einen.
Wieder zurück im Dorf sind wir bergauf zu einer Ruine gelaufen: Die ehemalige Kathedrale der Hauptstadt. Allerdings war sie das nicht besonders lange: Piraten und andere haben diese Stadt oft überfallen und geplündert, trotz des Forts, über das ich gleich noch berichte. Das will mir nicht so recht in den Kopf rein: Piraten, ok, das verstehe ich noch, aber Sir Francis Drake hat hier auch schon die Kirchen geplündert. Er konnte recht froh sein, dass bei seiner Rückkehr noch keine katholische Monarchie an der Macht war: Die hätten ihm den Kopf schon ordentlich gewaschen …
Von der verfallenen Kathedrale (man findet einige der Steine in den Häusern des Ortes wieder – man denkt halt praktisch ….) sind wir zum Fort hinaufgestiegen: Von Philipp II. viel zu schwach konzeptioniert, sorgte es letztendlich dafür, dass die Hauptstadt verlegt worden ist. Das Fort selbst ist wieder aufgebaut worden (starke Leistung!), inklusive der Zisterne, die das Fort mit Wasser versorgt hat. Sönke und ich haben noch über die Reichweite und die Zielgenauigkeit der Kanonen diskutiert, sind aber lediglich bei Letzerem zu einer klaren Meinung gelangt.
Nach kurzem Gang auf der Landstraße hat ein Aluguer Erbarmen gehabt und wir durften uns auch noch reinquetschen.
In der Stadt haben wir zu Mittag gegessen, also quasi unseren „Essensrhythmus“ verschoben, da empfohlen wird, im Dunklen in der Stadt nicht mehr unterwegs zu sein. Und in Anbetracht der hohen Polizeipräsenz scheint das auch angebracht. Mit „Leute gucken“ und durch die Straßen tingeln haben wir den Tag herumgebracht und den Abend mit „Cha“-Wein und Bericht schreiben verbracht.