22. /23. Tag Reisetage

Ganz früh ist Sönke aufgewacht, hat den gestrigen Beitrag noch live gestellt (nachts ist web am besten) . Wir hatten zwei Tage vorher beobachtet, wie am Morgen die Mönche in einer Reihe an den Geschäftsleuten hier in der Straße vorbeigegangen sind und sich jeweils einen Schlag Reis abgeholt haben. Das wollte Sönke unbedingt noch fotografieren: Er war jedoch etwas zu früh und ist zum Erstaunen der Marktbeschicker, die gerade aufbauten, über den Markt gedietschert. Aber dann war es soweit und er hat ein paar nette Fotos gemacht.

Mittlerweile war 8 Uhr, also Frühstückszeit. Danach war Rucksack packen angesagt, denn um 18:00 Uhr sollte es mit dem Nachtbus nach Yangun und von dort weiter ans Meer gehen.

Da wir also noch Zeit hatten, haben wir uns Fahrräder besorgt und sind in Richtung Westen losgeradelt – durch wunderbar schattige Alleen. Ein paar Mineralquellen lagen auf unserem Weg, aber da war nicht wirklich was zu sehen. Auch eine Pagode auf einem Berg haben wir schnöde nicht besichtigt. Ich fragte dann, ob wir uns auf den Rückweg machen sollten, Sönke hatte aber anderes im Sinn: Tour um den See. Den ganzen See??? Nein, einmal übersetzen mit dem Boot. Puh! Wir haben auch flott einen Bootsmann gefunden, der uns übersetzen sollte. Als wir im Boot saßen, wollte ich Fotos machen. aber – wupp – Batterie alle: Dabei war sie frisch geladen. Okay, Akku gewechselt: Volle Batterieanzeige, fokussieren, wupp, nichts mehr. Also haben die Jungs mit dem Handy Bilder gemacht. Auf dem See ist unser Bootsmann noch einmal extra langsam um die Fischer herum, dann auf die andere Seite zu einem Dorf mit einem ganz langen Holzsteg – und ich konnte keine Bilder machen! Das war der Zeitpunkt, an dem mir der Tag verdorben wurde. Und dann kein Schatten auf dem Rückweg und dann noch das kleine Mädchen-Problem. An einem Baum haben wir uns in den Schatten gesetzt und ich habe so die üblichen Akut-Maßnahmen durchgeführt und versucht, die Kamera wieder in Gang zu bringen – vergebens. Also sind wir so flott als möglich in den Ort zurückgestrampelt und haben in einer Kneipe noch etwas getrunken – wenigstens ein Probem gelöst …

Wir haben die Fahrräder wieder abgegeben und sind ins Hotel: Dort haben wir versucht, denn Err 99 meiner Kamera herauszubekommen: Ja, super, das ist ein Feld-Wald-Wiesen-Fehler, alles kann, nichts muss … Akku raus, Speicherkarte raus, Objektiv neu aufgesetzt, 20 Minuten gewartet, nochmals – kein Erfolg. Nein, meine sehr unladyliken Flüche wiederhole ich hier nicht. Ich war in absoluter Obermuffelstimmung! Und es gibt hier keine Fotoläden – Kameras sind nicht wirklich üblich. Wir sind dann erst einmal essen gegangen: Das war wieder sehr lecker! Und wir haben philosophiert, wieso die Kamera schlapp gemacht hat. Kevin meinte, dass wir auf Mount Popa bestimmt zu wenig gespendet hätten – meine Version war eher die falsche Spendenbox… (Anmerkung Kevin: Zu wenig in die falsche Spendenbox ergibt vermutlich doppelt so schlechtes Karma…)

Zurück im Hotel warteten wir auf den Nachtbus: Wir wurden eingesammelt und nach kurzem Orgakram konnten wir einsteigen. Whoa, war das darin heiß – ich war spontan schweißgebadet. Ein Baby war so ungefähr meiner Meinung und schrie: Ein ausdauerndes Kind – Respekt! Und es roch so dermaßen nach Mottenpulver, so hoch hätte noch nicht einmal meine Oma dosiert. Endlich fuhren wir los und durch die Dachluke kam etwas kühlere Luft. Halbe Stunde später: Stopp – noch jemanden aufgesammelt. Halbe Stunde später wieder Stopp: Tanken. Halbe Stunde später: Lunchstopp. Ob wir jemals ankommen werden? Sönke hat noch etwas gegessen, aber Kevin und mir war es einfach zu warm.

Durch die Berge mit engen Haarnadelkurven musste sich der Bus quälen: Nachdem in einer Kurve der Bus zweimal abgewürgt wurde, war mein Vertrauen in den Busfahrer nicht so besonders hoch angesiedelt. Das Baby hatte sich müde geschrien, dafür hatten wir eine andere Geräuschkulisse: Die Spucktüten wurden in den vorderen Reihen emsig gefüllt. Um den neuerlichen Schwall an Mottenpulverduft via Lüftungsanlage war ich jetzt nicht gerade sehr böse.

Wir kämpften alle mit den diversen Schlafversuchen: Die Kurven, die ruckeligen Straßen, das Gehupe und die hübschen Nebengeräusche im Bus konkurrierten mit dem Problem, eine halbwegs vernünftige Schlafposition zu finden – trotz Schlafsesseln. Völlig gerädert trudelten wir um 6 Uhr morgens in Yangun auf einem Busterminal ein.

Für unsere Weiterfahrt nach Chaung Tha mussten wir allerdings den Busbahnhof wechseln und brauchten ein Taxi. Immer wenn man aus einem Bus / Schiff aussteigt, dann wartet schon eine ganze Blase an Taxifahrern, die sich das Gepäck schnappen wollen: Gepäck bedeutet meistens Fahrtkunden. Wir kennen das schon und sammeln unser Gepäck immer möglichst flott selbst ein und suchen uns dann einen Fahrer aus. Dieses Mal allerdings sind wir an einen etwas komischen Fahrer geraten: Erst startete der Wagen erst im zweiten Anlauf, dann fuhr er immer so um das Terminal herum, wendete nochmals, stoppte schließlich und öffnete die Motorhaube: Please wait. Hm, nicht sehr überzeugend. Er wanderte einmal über die Straße und wieder zurück. Und dann kam ein anderer Mann: Das sei der neue Fahrer. Gut, dieser Fahrer steuerte zügig in die richtige Richtung und nach geraumer Fahrt durch die wuselige Stadt, kamen wir am anderen Busterminal an. Dort lud er uns am richtigen Schalter ab und nach einer 3/4 Stunde saßen wir im Bus nach Pathein. Mit hübschen Samtvorhängen mit Troddeln und einem Unterhaltungsprogramm. Irgendsoeine Comedyshow: Folge 2 – 100 … (vielleicht kennen die Älteren noch Insterburg & Co? Die stelle man sich in richtig schlecht mit Myanmar – Folklore – Anstrich vor!). Es gibt Sendungen, da ist man froh, nichts zu verstehen!

Die Fahrt durch das Ayeyarwaddy-Delta war interessant: Sönke fühlte sich an das Mekong-Delta erinnert mit den vielen kleinen Bambusbrückchen. Sehr fruchtbares Land.

In Pathein wieder einmal das Spielchen mit den Taxifahrern: Wir hatten wirklich keine Lust, nochmals zu einem anderen Busbahnhof zu wechseln und zu hoffen, dass dann auch ein Bus fährt. Und es war eine gute Entscheidung: Es war eine ordentliche, recht kurvige Stecke. In einem kleinen Ort hielt der Fahrer und wir sollten ihm folgen. Die Brücke über den Fluß war kaputt und nicht befahrbar und so mussten wir in einen Kahn umsteigen und auf der anderen Seite in ein anderes Taxi hinein. Und dann endlich, endlich sind wir angekommen: Wir haben zwei sehr hübsche Bungalows und nur einen kurzen Weg zum Strand am Golf von Bengalen- oh, tat die Ruhe gut! Und die Dusche auch!

Ach, ich hatte meiner Kamera noch 24h Ruhe verordet, das hatte schon einmal geholfen – dieses Mal aber leider nicht. Wie allerhöchst ärgerlich! Wer mir also noch einen erste-Hilfe-Tipp hat: Ich fotografiere mit einer Canon EOS 30D mit einem Tamron-Objektiv (28 – 70 mm).