Geschafft!! Aber das war Limit!
Um 5:45 Uhr hat der Wecker geklingelt und bei Kerzenschein (für Strom wird nur abends der Generator angestellt) haben wir uns fertiggemacht. Frühstück war schon vorbereitet, aber richtig viel frühstücken ging noch nicht – daher haben wir Äpfel und kleine Küchlein einfach als Vesper eingepackt. Vor dem Haus – im Stockdunklen – hat Jason, unser Bergführer auf uns gewartet. Für diese Tour ist ein Bergführer vorgeschrieben. Im Schatten der Bordeira (das ist der beim Erdrutsch übriggebliebene Vulkanrandteil) haben wir uns auf den Weg gemacht. Nach kurzer Zeit hatten sich de Augen an die Dunkelheit gewöhnt und sind auf den Fuß des Vulkankegels zugelaufen. Auf einmal hatten wir Schatten:Vollmond über der Bordeira. Es war noch recht frisch und um unsere Jacken waren wir noch froh – auch wenn wir uns langsam warmgelaufen hatten. Jason sagte uns, dass wir rund 1200 Höhenmeter machen würden und erklärte noch viele weitere interessante Dinge über die ganze Vulkanlandschaft: Welcher Vulkanbereich wann ausgebrochen war und wie stark und was aus den Vulkanen ausgetreten ist. Und wie die Bevölkerung auf den letzten Ausbruch reagierte. Währenddessen waren wir am Pico de Fogo angekommen und über einen noch gut begehbaren Weg ging es langsam aber stetig voran. Dann wurde es langsam steiler und der Untergrund war geröllig: 2 Schritte vor, einen zurück. Langsam wurde es hell und die Wolken von außerhalb der Caldeira waberten hinein: das sah phantastisch aus! Als die Sonne noch etwas höher stand, wurde der Schatten des Pico an die Steilwände der Bordeira geworfen.
Entlang einer Kante begann der richtige Anstieg: Froh über jeden Stein, der Halt bot, merkte man schon, dass es anstrengend war. Noch heftiger war dann ein Teilstück, bei dem es etwas zu klettern gab: Leider keine prima gebauten Stufen, sondern einfach Fels und Geröll dazwischen. Jason machte uns Mut, dass es bald besser werden würde und wir einen Zickzack-Weg erreichen würden. Das war auch so, aber so langsam merkten wir die Höhenluft. Zu allem Überfluss war dieses letzte Teilstück das steilste. Sönke und ich waren beide am Limit, während Jason mit den Händen in den Taschen locker hochschlenderte – ich habe es geflissentlich ignoriert …
Und dann waren wir oben: 4 Stunden Aufstiegszeit kann sich sehen lassen! Wir blickten vom schmalen Kraterrand in den Kegel hinein. An manchen Stellen war er leicht gelblich von Schwefeldämpfen, die aus dem Krater heraufzogen. Wir haben uns erst einmal hingesetzt, Wasser getrunken und ein bissel was gegessen und die herrliche Aussicht in den Krater auf der einen Seite und die Cha da Caldeiras mit ihren Lavafeldern auf der anderen Seite.
Nach einiger Zeit sind wir wieder aufgebrochen: Kurz bergauf und Sönke war absolut dankbar (ok ich auch!), als wir kurz darauf in den Innenrand des Kraters gewechselt sind und am Rand entlang auf die andere Seite gewandert sind: Zwar musste man das eine oder Mal etwas klettern (einmal mit Halteseil als Sicherung), aber es ging einigermaßen gerade. Auf der anderen Seite sind wir wieder auf die Außenseite gewechselt und hatten eine tolle Sicht auf die Nachbarinsel Brava. Es begann ein nicht gerade knieschonender Abstieg über ein Geröllfeld: Aber schön brav im Schneckentempo haben wir auch das geschafft und dann begann ein Riesenspaß: Auf einem gaaaaanz langen Lapillihang hieß erst einmal Schuhe gut zuschnüren und dann losrennen. Gleitend und rutschend „surften“ wir mit ordentlich Staubgewirbel nach unten. Das war so oberklasse und hat tieriesch Laune gemacht! Ratzfatz waren wir unten am Pico Pequeno, der beim neuesten Ausbruch entstanden ist. In unseren Schuhen waren ordentlich Steine: Flott ausgeleert und weiter. Der Pico Pequeno ist durch Gasaustritte rot, orange und gelb gefärbt. Kleine Schlote, heiße Löcher und schwefelgelb gefärbte Wände kann man sehen: Da ist noch gut Aktivität vorhanden.
Über ein Lapillifeld mit verschieden geformten Gesteinsbrocken und in Kordelform erkaltete Lava führte der Weg nach unten zu unserem Dorf, vor bei an einer Messstation, die die Temperatur im Berginnern überwacht.
Dann war es geschafft (acht Stunden alles in allem) und bei einem Bierchen haben wir Jason noch eine kleine lustige Deutschstunde gegeben. Er hat seinen Job absolut prima gemacht und trotz der Plackerei haben wir uns in einer kruden Mixtur aus französisch und englisch prima unterhalten und viel gelacht.
Heute abend soll es Fisch für uns geben – von unserer Hauswirtin gekocht: Wenn es genauso klasse ist wie das Hühnchen gestern, dann ist das ein toller Abschluss eines tollen Tages!




















