11. Tag – Gold und Markt


In unseren Reiseführern hatten wir von einem Stadtviertel gelesen, in dem es ganz viele Handwerksbetriebe verschiedenster Art geben sollte. Und da ich das immer interessant finde haben wir uns auf die Socken gemacht – war ein ganz ordentliches Stück bis dahin.
Und wir sind auch gleich an einen Betrieb rangelatscht: Dort wird Gold zu Blattgold gemacht. Was ein Aufwand!

Erst wird ein kleines Stückchen Gold zwischen Yakleder gelegt und eine halbe Stunde lang mit einem Hammer geschlagen. Dann wird es umgepackt und zwischen eigens hergestelltes Bambuspapier gelegt und eine weitere Stunde mit dem Hammer bearbeitet. Und wieder umgepackt und 5 Stunden geklopft: Dann ist es dünner als ein Tuschestrich.
Frauen schneiden es dann in kleine Quadrate und machen es damit verkaufsfertig.

Für das Bambuspapier wird Bambus zerkleinert und drei Jahre lang eingelegt. Die angerotteten Fasern zu einer Paste geklopft und hauchdünn auf einen Rahmen gestrichen. Nach dem Trocken wird der Papierbogen in Quadrate geschnitten und die Papierquadrate mit Holzklöppeln durchgeklopft. Dann sieht es aus glänzendes Pergamentpapier und fühlt sich superglatt an.

Angeblich soll es in dem Viertel 70 solcher Betriebe geben: Wir haben aber nur den einen entdeckt. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass es viele Betriebe gar nicht mehr gibt und das Blattgold maschinell hergestellt wird: Selbst Leonardo da Vinci hatte schon eine Blattgoldmaschine entwickelt – ich kann mir nicht vorstellen, dass es hier nichts adäquates gibt.

Dann kamen die Schreiner an die Reihe: Jo, da werden noch ordentliche Vollholzmöbel gebaut, leicht angehaucht im Kolonialstil. Und alles mit deutlich weniger Maschinerie als bei uns: Vereinzelt Elektrohobel, sonst wird von Hand gehobelt und geschmirgelt und gebeitelt.

Ja, wir suchten dann eigentlich noch eine Fächermanufaktur und eine Bambuspapier-Manufaktur: Wir haben aber beide nicht gefunden. Dafür aber ist an einer Straßenecke ein ganzer Konvoi an Pickups vorbeigefahren, auf dem beschirmte und herausgeputzte Mädchen mit vermutlich Familie herum saßen. Uns wurde freudig strahlend zugewunken. Wir vermuten, dass das neue Novizinnen auf dem Weg ins Kloster waren, aber kann auch etwas ganz anderes gewesen sein.

Per Pickup sind wir zurück ins Hotel und haben dort eine Siesta gehalten. Danach haben wir uns wieder ins Getümmel gestürzt und sind Richtung Markt. Also, den Markt gibt es eigentlich nicht. Mehrere Gebäude und Plätze und Straßenzüge bilden einen einzigen Monstermarkt auf dem es alles gibt (außer dem, was ich gerade suche – aber das kenne ich ja von zu Jause ….). Getrockneten Fisch in rauhen Mengen, meist zusammen mit Chiliständen: Holla, das ist was für Nase! Natürlich Gemüse- und Obststände, Gewürze, Haushaltswaren mit Töpfen in Riesendimensionen, alles was sich aus alten Autoreifen herstellen lässt (das find ich so genial!), Plüschtiere in Megaformat, Seile, Stoffe, Flipflops in zig Varianten, Spielzeug, Schmuck, etc. Nur halt nicht den Rock, den ich mir gerade einbilde und schon gar nicht einfache weiße T-Shirts. Aber vermutlich haben wir nur in der falschen Marktecke gesucht. Ja, leider habe ich den Trick mit meinem Longyi immer noch nicht raus und wollte mir noch einen Wickelrock mit Bindeband holen. Übrigens glaubte ich Sönke zunächst nicht, der mir das bereits gesagt hatte: Aber die Frauen freuen sich tatsächlich, dass ich so einen Rock anhabe und zeigen beim Vorübergehen immer mal wieder darauf. Die Leute sind hier so megafreundlich und überall wird man angelächelt, gehellot oder ein mingalaba zugerufen.

Irgendwann war genug von dem Trubel und wir sind zu einem Shan-Restaurant gelaufen und haben ein ordentliches Abendessen gehabt – es hat deutlich besser geschmeckt als es zunächst den visuellen Anschein hatte. Vor allem der frittierte Schweinespeck und so eine Art Kroketten waren lecker! Und eine Monsterflasche an Bier dazu – eieiei ….

Irgendwie reicht uns langsam der Stadttrubel und daher planen wir für morgen eine Fahrt raus aufs Land.