10. Tag – Ruckelzuckel-Reisetag

Unsere erste Reiseetappe war um 11 Uhr geschafft und der Bus hielt an der Bahnstation von Fenqihu. Wir konnten unsere Rucksäcke mit Hilfe dreier älterer Damen in Schließfächer einschließen. Überhaupt: Die Leute sind superfreundlich und hilfsbereit. Ganz oft fragen sie, woher wir kommen: Wir müssen die Aussprache von deguo, also Deutschland, noch etwas in der Intonation üben – ernst nach dem zigsten mal verstehen uns die Leute. Und prompt kommt ein „welcome in Taiwan!“ (Chinesisch ist eine Tonhöhensprache: Es ist also ein Unterschied, ob man mit der Stimme nach oben, unten oder kleinem Schlenker spricht oder im Ton gleich bleibt).

Die Zeit bis zur Weiterfahrt mit der Schmalspur-Bergbahn haben wir genutzt und haben die lokalen Highlights abgeklappert. Das fing mit einem Lokschuppen mit Dampfloks an. Dann sind wir hinüber zum quadratischen Bambus. Wir hatten ihn uns deutlich eckiger vorgestellt, aber wenn man den Halm angefasst hat, dann hat man die glatten Seiten erfühlen können.

Wir sind ein wenig durch das Dörfchen gelaufen, um einen kleinen Wanderweg zu finden: Auf dem Weg haben wir ganz leckere süße Teilchen erstanden. Ein Hefeteig aus mehreren Lagen wird in Streifen geschnitten, in Puderzucker gewälzt, in einer Art Waffeleisen in Kringel gelegt und gebacken.

Den Wanderweg haben wir gefunden und sind losmarschiert. Es war schön, durch den Wald mit Zedern und ganz viel Bambus zu marschieren. Ein Stockwerk weiter unten kommen dann die Baumfarne und unten wachsen Farne und eine Philodendron-Art. Ich finde diese riesigen Blätter toll. Irgendwann hatten wir genug von der Lauferei – Kirstens Schrittzähler war auch zufrieden mit uns – und so sind wir in den Ort zurück.

Am Anfang der Dorfstraße war eine Händlerin, die Ingwerscheiben karamelisiert hat. Die Scheiben blubberten in ihrem Kessel und rochen schon klasse. Wir durften erkaltete, fast getrocknete Stückchen davon probieren. Boah, superlecker: Kein Vergleich mit dem grausligen kandierten Zeug bei uns! Und man kann das auch noch als Tee aufgießen: Superintensiv und ganz mild. Wir haben gleich zwei Pakete davon mitgenommen. Und von den Hefeteilchen haben wir auch nochmals welche nachgeholt.

Und dann haben wir uns brav in die üblichen aufgemalten Wartepositionen aufgestellt (das ist alles perfekt durchorganisiert und klappt fantastisch!) und der Zug kam. Kaum hatten wir unsere Plätze gefunden, ging es unter großem Winken der zurückbleibenden Touristen los. Der Zug ruckelte und zuckelte durch die vielen Kurven und Tunnels talwärts. Links und rechts wechselten sich steile Abhänge mit hochwucherndem Wald ab. Ab und an hatten wir phantastische Ausblicke auf die Berge.

Als wir etwas tiefer waren, sahen wir die ersten Tee- und Bananenplantagen. Und noch weiter unten gab es viele Reisfelder. Auch Yams und Lotus wurde angebaut. Dann erreichten wir Chiaji. Und zackzack sind wir in den nächsten Zug gehüpft zu unserem Endziel Tainan. Wir arbeiten uns also in Richtung Süden vor. Aber wir bleiben zwei Nächte hier: Unsere „frische Unterbüxenquote“ zwingt uns zu dringendem Handlungsbedarf …

Für unser Hotel hatten wir – nachdem es nicht so lange besetzt ist – diverse Zugangscodes und Handlungsanweisungen erhalten: Ich hatte mich schon gefragt, ob wir in einem Escape-Room nächtigen, so viele Codes hatten wir … Aber nein, es ist ein family-Hotel im 12. Stock. Sönke und ich schlafen im Peter Rabbit-Zimmer, Kirsten hat einen Traum in Rosa mit Plüschtierchen …