Nudelschabroboter in Datong

Tag 4 – nach Datong

24.7.2012
Akklimatisieren vorbei – nun geht es richtig los: Aufstehen, packen und auschecken, Sönke leider immer noch mit flottem Otto.
Mit dem vollen Bus zum Westbahnhof: Sönke ist beim Nachfragen nach dem richtigen Ausstiegshaltepunkt mit einem jungen Chinesen „ins Gespräch gekommen“. Das sieht so aus, dass der chinesische Part versucht, alle englischen Worte zusammenzukratzen, Sönke seine Lern-CD-Chinesische-Brocken anzubringen versucht – beide lachen und verstehen nichts und dann zückt Sönke unseren Reiseführer und zeigt auf ein paar Wörter aus dem Mini-Wörterbuch. AAAAahhh. Und Lachen. Und dann wissen alle Bescheid.
Der junge Mann hat uns noch zum Bahnhof begleitet: Bevor man in den Bahnhof rein darf, muss man nicht nur die Fahrkarte, sondern auch den Pass vorzeigen.Dann geht man zum Wartesaal des entsprechenden Gleises und stellt sich an in die Riesenschlange. Irgendwann kommt mächtig Bewegung in die Schlange und alle drängeln zur Kontrolle (Nummer 2 also) und dürfen dann erst zum Gleis. Auf der Fahrkarte steht die Wagennummer und dann auch die Platznummer – empfangen wird man von dem Waggonchef und darf in den Wagen. Wir hatten Hardsleeper gebucht: Das heißt in dem Waggon gibt es offene Abteile mit je sechs Liegen (drei übereinander). Wenn nicht nachts gefahren wird, dann wird die unterste Liege als Sitzplatz verwendet. Eigentlich war sönke in einem anderen Abteil, konnte sich dann aber zu mir setzen.
Kontrolle Nummer drei: Die Waggonchefin hat uns unsere Karte abgeknöpft und wir haben eine andere dafür bekommen. Eine halbe Stunde vor Ausstieg haben wir dann wieder zurückgetauscht: Warum das so sein muss, habe ich nicht verstanden, abre wenigstens verpasst man so den Ausstig nicht!
Unsere direkten Mitreisenden waren eine Frau mit Enkelin, die zum Schluss tatsächlich noch ihren ganzen Mut zusammengekratzt hat und ein paar Brocken englisch mit uns gesprochen hat. Dann noch eine Oma mit ihrem kleinen Enkel – der Kleine war ziemlich übermüdet und war nicht wirklich leicht zu beruhigen. Die ganze Zeit war er auf dem Arm seiner Oma – das muss anstengend gewesen sein. Ach ja: Chinesischer Pragmatismus: Der Kleine musste mal pischern, also hat Oma eine Plastiktüte genommen und der Junge hat mehr oder minder zielgerichtet die Tüte befüllt. Zuknoten und ab in den Müll.
Die Fahrt selbst ging erst durch das Gebirge mit vielen Tunnels. Viele Stauseen gab es da: Ich nehme mal an, dass diese Seen den Energiehunger Beijings stillen. Schroffe, steile Felsen haben eine bizarre Berglandschaft geformt – wunderschön. Dann sind wir auf eine Ebene gekommen und ab da unendliche Maisfelder. Noch nie habe ich so eine extreme Monokultur gesehen. Dazwischen in den Bahnhöfen immer wieder riesige Steinkohlehaufen – offensichtlich wird dort Kohle abgebaut, aber Fördertürme habe ich keine entdecken können. Als wir so langsam auf Datong zugerollt sind, hat es doch wieder etwas mehr landwirtschaftliche Abwechslung gegeben. Der Boden ist dort vorwiegend Lössboden und durch Abbrüche und Auswaschungen haben sich ganze Täler ergeben. Gern hätte ich das fotografiert, aber die Sauberkeit der Zugscheiben hat das leider verhindert.
In Datong angekommen wurden wir direkt von einem CITS-Mann „abgefischt“: Diese Organisation hilft insbesondere Ausländern beim Zurechtfinden, buchen von Touren, Hotels und Fahrkarten. Wir haben unsere Hotelreservierung gleich sausen lassen, weil das angebotene Hotel gründlich günstiger war. Und dann haben wir eine Tour zu den hängenden Klöstern und der Holzpagode gebucht. Des weiteren haben wir in zwei Tagen unsere Weiter fahr mit dem Nachtzug (au weia, das wird was werden …) und das nächste Hotel klar gemacht.
Dann haben wir zum Erstaunen der Taxifahrer tatsächlich den Bus genommen und sind in die Stadt gefahren. Die sollte Erdwälle als Stadtmauer und Klöster bieten. Hm, den riesigen Erdwall bauen sie zur Zeit als komlette Stadtmauer mit Türmen um und alle Hutongs werden abgerissen und neu und modern gebaut – eine Wahnsinnsbaustelle! Die Leute in den Hutongs wollen offensichtlich nicht weg und leben immer noch in den halben Abrissen. Und alle laufen durch die Riesenbaustelle, die mindestens bis in den späten Abend beackert wird (und nicht wirklich beleuchtet). Die Klosteranlage ist aber der Hammer: Mitten in dieser Riesenbaustelle ist eine wirklich riesige Klosteranlage, die abends bunt bevölkert ist. Tolle Gebäude – ich hoffe, dass die Bilder was geworden sind, da es schon dunkel geworden ist. Und dann haben wir wegen der Baustelle eine andere Route nehmen müssen, als geplant. Die Gassen wurden immer dunkler und immer leerer – keine Situation, die ich besonders beruhigend finde … Irgendwann haben wir wieder herausgefunden und ein Taxi zum Hotel genommen. Dort haben wir kurz unsere Sachen abgeladen und sind zu einem Restaurant um die Ecke gelaufen. Die Besonderheit bei diesem Restaurant war eine Roboter-Nudelschabmaschine – jede schwäbische Hausfrau kennt die Arbeit, die Nudelschaben macht. Gut, Spätzle waren das nicht, eher lange Nudeln , aber der als Roboter aufgemachte Apparillo war trotzdem der Hit. Und gut geschmeckt hat es außerdem (die Geschichte mit den Stäbchen geht mittlerweile schon ganz ordentlich und schlürfen ist erfreulicherweise erlaubt – alle deutschen Kinder, die das vielleicht mal lesen sollten, bitte überlesen!!!

Nudelschab-Roboter in Datong