Sentiero della Rupe


Unser letzter wirklicher Ferientag.
In meinem letzten Bericht hatte ich es gar nicht erwähnt: San Marino ist der drittkleinste Staat in Europa und die älteste Repubik der Welt. Was ich aber nicht weiß, ist, wie man die Einwohner von San Marino nennt: Marinesen? Marinoer? Wie auch immer: Wir sind in dem ca. 33.000 Einwohner zählenden Staat nach unserem Frühstück noch etwas rumgewandert. Und zwar mehr, als wir erwartet hatten.


Erst sind wir noch ganz harmlos zum zweiten Turm gelaufen und haben uns zweitrangig die antike Waffensammlung angesehen – ich kann damit nicht wirklich etwas anfangen. Viel wichtiger ist, dass sie in dem zweiten Turm drin ist und man von dort einfach einen fantastischen Blick hat. Es ist schon fast so, als würde man über der Stadt fliegen.

Dann hatten wir uns vorgenommen, südlich des dritten Turms einen Wanderweg abzulaufen, der uns unterhalb der drei Türme durch den Steilhang führen sollte. Der Einstieg war vermeintlich leicht gefunden: Ein Schild wies nach rechts auf den Wanderweg „Sentiero della Rupe“ (Felsweg). Also los. Nach ein paar Minuten wunderten wir uns, dass dieser Weg voll in die falsche Richtung führte. Also nochmals nach oben. Ja, da oben ist das Schild eindeutig und nach links konnte man auf dem Weg nicht abbiegen. Okay, also nochmals von vorne … Tapfer sind wir den Weg gelaufen, aber immer in die falsche Richtung, bis wir im Prinzip unten waren. Nur leider am falschen Ende des Felsens. Dort wollten wir eigentlich die Seilbahn wieder nach oben nehmen. Nun gut, dann laufen wir halt unten am Fels entlang auf der Straße. Das war nicht so nett, weil die Autos ordentlich an uns vorbeibrausten.

Irgendwann sind wir kurz vor der Seilbahnstation gewesen. Und haben ein Schild gesehen, welches auf den Einstieg zu dem Weg hinwies: Halt dieses Mal von unten nach oben. Mich hatte es schon die ganze Zeit gewurmt, dass wir den richtigen Einstieg nicht gefunden hatten. Sönke wohl offensichtlich auch, denn er schlug diesen Weg ein, statt zur Seilbahn.

Ja, wir sind den Weg komplett wieder nach oben gewandert. Anfangs noch ganz einfach und so berauf, dass man durchaus ins Schnaufen gekommen ist. Zum Schluss wurde es aber richtig steil. Mit Hilfsseilen, Treppen und Holzstegen ging es eine Rinne streng bergauf. Und wir waren oben: Fünf Meter entfernt von dem nach rechts weisenden Einstiegsschild – allerdings links davon …

Auch wenn es keiner gemerkt hat: Wir dachten, Strafe muss sein! Und sind so verschwitzt wie wir waren zur Besichtigung der Regierungsgebäudes marschiert. Wir konnten den Parlamentssaal besichtigen mit den Sitzen der zwei Capitanos (die zwei Regierungschefs, die jedes halbe Jahr gleichberechtigt neu gewählt werden).

Belohnung darf auch sein: Ein frisch gekühltes Bierchen auf einem der zig Plätze mit herrlichster Aussicht in die Bergwelt der Toskana und der Emilia Romana. Dann Richtung Hotel und duschen und etwas Siesta machen. Abends haben wir mit dem Auto nochmals ein Ründchen um den Berg (der heißt tatsächlich „Monte Titano“) gedreht und uns dann das Abendessen lecker schmecken lassen.

Ach ja: die Leute hier heißen „San Marinesen“ – hat Sönke gerade gegoogelt…

Fazit: Auch wenn wir keine Münze in den Trevi-Brunnen geworfen haben – wir kommen bestimmt wieder! Ciao, bella Italia!