Jetzt geht’s los!

Hi Ihr!

Entschuldigt bitte, dass ich erst jetzt wieder einen Eintrag mache, aber das Internet in der neuen Schule ist sehr weit weg und wir mussten uns auch erst einmal an die neuen Eindrücke gewöhnen. Hier aber jetzt wieder ein vernünftig langer Text 😉

Nachdem wir in der Village waren, waren wir noch eine Woche in Yangshou in der wir nur gefeiert und gelernt haben. Deswegen überspringe ich diese Sektion größtenteils. Wir haben aber einen „Snakeshot“ getrunken, einen ca. 60 % Kurzen, der aus einem Glas von Schlangen, riesigen Tausendfüßlern, allen möglichen weiteren Krabbelviechern und Alkohol gefischt wird. Die Viecher werden aber nicht vorher sanft in den Tod übergeben, nein, sie leben noch wenn sie in das Glas mit dem Alkohol kommen. Alles Obige kann man übrigens auch wunderbar schmecken. Der Kurze ist auch nicht kurz, sondern eher ein 5 cl großer Trunk.Der Snake shot

Wir waren auch noch Rockclimbing, was sich ja bei der Natur hier mit den steilen Bergen durchaus anbietet. Es war auch echt cool und für 13 Euro gerne ein Spaß den man wiederholen kann 😉
Dann ging es am vorherigem Montag los nach Guangyang, dem Ort an dem wir unterrichten sollten. Auf der Fahrt haben wir dann gesagt bekommen, dass die Leute der Stadt Guangyang (die immerhin ca. 80.000 Einwohner hat) in der Frage wo wir 3 denn schlafen sollen sogar die Bürgermeisterin eingeschaltet haben. Ach ja, außerdem wurden die Leiter des Educationbureaus der Gegend befragt. Des Weiteren wurde uns immer wieder gesagt, dass wir dort sehr besonders sein werden, da vorher noch nie wirklich ein Ausländer/eine Langnase in der Stadt war.
Wie dem auch sei, wir sind erst einmal zu einem Essen mit den Direktoren (die hier ein extrem hohes Ansehen genießen!) gefahren und haben (zum Mittagessen!) Bier in Massen getrunken. Es gibt nämlich Regeln am Tisch, die es unbedingt zu befolgen gibt:

1.) Sitzorder
Die Sitze gegenüber der Tür sind immer die Sitze für die Ranghöchsten Personen. Man sollte diese Plätze nie belegen, da es immer jemanden Ranghöheren gibt als einen selbst. Der Platz, der am nächsten zu der Tür ist, ist der Person überlassen, die das Essen an alle verteilt.
2.) Essen
Wie oben schon genannt worden ist, wird das Essen verteilt, aber man darf sich auch selber aufnehmen. Wenn man aber etwas von jemanden bekommen hat, muss man es zumindest probieren, auch wenn es z.B. Schweineschwanz ist. Alle Überreste wie Knochen und Knorpel, aus denen das „Fleisch“ hier meistens besteht (Die Chinesen finden, dass das Fleisch, was direkt am Knochen ist, am besten schmeckt) werden einfach auf einen seperaten Teller oder, falls der Teller nicht vorhanden ist, auf den Tisch/Boden gespuckt. Schmatzen und jegliche anderen Geräusche sind vollkommen normal, jedoch kein Zeichen von „Hmm, ich finde das Essen lecker“. Was hingegen gar nicht geht, ist sich die Nase zu putzen. Das kann man nur machen, wenn man sich von allen abwendet oder, was besser ist, den Raum verlässt. Die Region in der ich gerade bin ist übrigens eine der kulinarischsten Region Chinas und ich hab hier schon viele Köstlichkeiten wie z.B. Pferd, Schweinehirn und Schwanz, Hühnerfüße, Innereien, Frosch, uvw. sehen und kosten dürfen. Wenn man zu den örtlichen Märkten geht, findet man auch sehr häufig Hunde, die entweder schon gegrillt sind, oder gegrillt werden. Oftmals sieht man auch in den Mülleimern die abgetrennten Köpfe. Bilder werde ich hierzu nicht hochladen 😉
3.)“Gan bei!“
Gan bei, zu deutsch „Ex“, ist der hier übliche Trinkspruch. Wenn dieser Satz gesagt worden ist muss man das Getränk, das man vor sich stehen hat, austrinken. Meistens ist es Bier, es kann aber auch Reiswein sein, der hier so um die 30 Umdrehungen hat. Es gibt natürlich auch Tricks um dem totalen Besäufnis, auf das der Host es abgesehen hat (Denn man ist erst ein guter Gastgeber wenn alle anderen betrunken sind), zu entkommen. Man kann z.B. einen kleineren Becher nehmen. Dieser ist eigentlich für Tee gedacht. Des Weiteren kann man auch, bevor jemand einem Bier oder Reiswein einschenkt, sich einfach Tee oder Wasser einschenken, was denn entweder Bier oder Reiswein repräsentiert 😉
Ansich wäre das mit dem Anstoßen ja gar kein Problem, aber es gibt dann doch noch einige Regeln die es beim Anstoßen zu beachten gibt: Wenn jemand mit einem anstößt, versucht man den Becher des Anderen an einer niedrigeren Stelle zu berühren. Das zeigt den Respekt gegenüber des Gegenübers (Hihi Wortspiel :-)). Des Weiteren muss man alle Personen mehrmals toasten. Wichtig ist, dass die ranghöheren Personen zuerst getoasted werden. Außerdem sollte man versuchen keine Person zu vernachlässigen, also muss möglichst immer schnell getoastet werden, damit niemand denkt, dass er nicht ranghoch ist. Beim toasten bedankt man sich meistens für das gute Essen und die Gastfreundschaft. Gottseidank vertragen die Chinesen nicht so viel und sind meistens um einiges schneller betrunken als wir 🙂

Gleich am ersten Tag haben wir neue (!) Fahrräder bekommen, die uns 20 Euro gekostet haben. (Hier sind die Preise übrigens noch viel geringer als in Yangshuo, für eine Mahlzeit bezahlt man in Guangyang ca. 35 cent. So baff hab ich auch gekuckt.) Die Fahrräder heißen natürlich auch, dass man sich irgendwie in dem Verkehr hier zurechtfinden muss. Der Verkehr hier ist, wie einige von euch wahrscheinlich schon vermutet haben, für Langnasen das totale Chaos. Im Grunde werden alle Straßenschilder und -regeln ignoriert. Rechts vor links existiert genauso wenig wie der Blinker. Die Hupe wird so oft wie nirgendwo anders benutzt und bedeutet sowas wie „Achtung ich komme“. Das heißt, dass man auch in den Kurven bergauf überholen kann.
Im Grunde ist alles auf der Straße nur ein großes Ausweichen. Das klappt auch an sich ganz gut, da alle hier relativ langsam fahren(Durschnittsgeschwindigkeit ist ca. 39 km/h) und auch kein Radio hören. Das Lustige ist, dass es Bereiche gibt, in denen das Hupen verboten ist. Dort ist dann wieder alles wie wir es kennen 😉

Als wir dann in der Schule angekommen sind (Also in der Schule, in der wir wohnen) wurden wir von allen Schülern herzlich begrüßt. Jedes Mal wenn jemand uns gesehen hat (und immernoch sieht), waren die Augen so groß wie Tennisbälle. Inzwischen sind wir es schon fast gewöhnt immer zu lächeln und zu winken, als ob wir über einen roten Teppich gehen würden. Die Schüler werden hier immer sehr nervös wenn sie mit uns reden, und einige fangen sogar an zu zittern. Wir sind hier also wirklich, wirklich etwas Besonderes und zu sehen wie sehr man hier willkommen geheißen wird ist unglaublich angenehm. Andererseits ist es auch manchmal ein wenig nervig, wenn man nach außen hin die ganze Zeit eine Fassade aufrecht erhalten muss, wenn man sich gar nicht danach fühlt wie eine Grinsebacke durchs Leben zu laufen. Außerdem kommen die Schüler nach Schulschluss (22:30 [!]) immer wieder zu unseren Fenstern und gucken herein, oder machen einfach die Tür mit den Worten „Can I come in?“ auf.

Ich unterrichte allerdings die Grundschule. Diese ist ca. 10 Minuten von der Seniorschool, in der wir wohnen, entfernt.
Das Erste was mich hier umgehauen hat, waren die Kinder – Ich glaube ich habe noch nie in meinem so viele süße, kleine Biester auf einem Haufen gesehen! Ich muss mir jedesmal sagen, dass ich die nicht mitnehmen darf, denn wenn ich könnte, würde ich.
Das Nächste was echt erstaunlich war, war das Englisch der Kinder. Meine 5. Klassen sind besser in Englisch als Raphaels Middle school kids. Das macht das Unterrichten hoffentlich etwas leichter.
Die Kiddies hier sind auch verrückt nach Ausländern: Jede Langnase, die in die Klasse kommt, wird mit einem tosenden Applaus willkommen geheißen. Am Ende der Stunde werden einem immer unendliche viele Hefte vor die Nase gehalten, die man alle unterschreiben soll – was natürlich dem Gefühl eines Teeniestars extrem nahe kommt. Wir glauben (und hoffen glaube ich auch), dass sich die allgemeine Aufregung um uns noch legt, denn, obwohl sie im Moment noch sehr angenehm ist, werden wir schon bald anfangen sie zu hassen…

Wir fahren heute noch nach Guangzhou, der 12 Millionen Stadt, in der wir gelandet sind. Wir haben gerade eine Woche frei, da gerade der Nationalfeiertag ist.

Bis denne,

Jesko

Ein Gedanke zu „Jetzt geht’s los!“

  1. ich bin ja soooooo neidisch!

    Andere Länder – andere Sitten. Aber die „Coca Cobra“ kannten wir ja schon aus Vietnam…

    Die Urlaubswoche müsste ja nun um sein – denn weiter viel Spaß mit Deinen kleinen süßen Biestern in Guangyang. Und lern schön chinesisch 😉

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