Hallo ihr ritterlichen Genossen der Herde der Gerechtigkeit,
mir geht es hier weiterhin sehr gut. Es hat sich in den letzten Tagen nicht besonders viel verändert, weswegen ich heute eher auf etwas anderes eingehen, das ich schon oft gefragt worden bin: Die chinesische Sprache.
Vorher kann ich ja aber noch kurz meinen Alltag schildern: Ich stehe normalerweise so gegen 9 Uhr auf (Oh ja, ein super Luxus!) und gehe essen (meistens die lokale Spezialität „Guilin Noodles“, Nudeln die aus zermanschtem Reis gemacht werden, mit Erdnüssen und Fleisch „bestreut“ werden und einem dann übergeben werden. Danach darf man sich das Essen mit bestimmten Gewürzen verschärfen, was sogar ich schon in [für mich] riesigen Mengen mache). Direkt danach geht’s zur Schule, die ca. 10 Minuten (mit dem Fahrrad) entfernt ist. Um 10:50 habe ich dann täglich meine erste Stunde und die Zeit zwischen meinem Eintreffen und dem Stundenbeginn verbringe ich mit der Vorbereitung für die Stunden des Tages. Wenn ich dann noch Zeit habe, lerne ich chinesisch.
Nach der Schule gibt’s dann erst einmal Essen (was hier um ca. 12:00 ist) und danach werden die restlichen Stunden vorbereitet, einfach nur entspannt oder mit den Schülern der High School, neben der wir wohnen, gesprochen. Nachmittags geht’s dann (meistens) wieder zurück in die Schule und nach den Stunden, die ich dort hatte, wird sich fix umgezogen und auf den Schulhof gerannt, wo ich dann meistens Tischtennis oder Badminton spiele was denn bis ca. 7 durchgezogen wird. Um diese Zeit wird es auch schon dunkel und das innerhalb von 10 Minuten. Das ist manchmal ziemlich überraschend, z.B. wenn man gerade liest und das Licht auf einmal weg ist.
Hier sind auch viele Sachen, die einfach interessant sind. Ich gebe hier pro Tag ca. 15 Yuan, also 1,60 Euro aus. Auf den Monat hochgerechnet sind das ca. 50 Euro und alleine von dem Weltwärts-Programm bekomme ich 100 Euro pro Monat. Die Lebenskosten hier sind also ziemlich gering 😉
Ich hab auch angefangen meinen Süßigkeiten Konsum zu verringern: Ich esse keine Süßigkeiten mehr und auch nichts mehr zwischen den großen Mahlzeiten. Viel mehr als Wasser trinke ich nicht, außer natürlich wir sind zum Essen eingeladen und mir wird etwas Anderes angeboten. Ich esse auch nicht besonders viel Fleisch, sondern relativ viel Tofu. Vielleicht klappt das hier wirklich noch mit dem vegetarisch werden!
Leider hat sich an der Grundschule, an der ich unterrichte, nicht besonders viel verändert. Die Kinder wollen jetzt nicht nur Autogramme von mir, nein, sie laufen auch immer wenn ich über den Schulhof gehe in einer Traube um mich herum und schreien lauthals alle englischen Begriffe die sie können heraus (How are you, What’s your name, etc…). Als ich neulich mit dem Fahrrad über den Schulhof gefahren bin und einen Blick nach hinten gewagt habe, habe ich gesehen, dass der halbe Schulhof in Bewegung in meine Richtung war… Das Blöde ist dann, wenn das Tor nicht offen ist und man noch warten muss, bis dieses geöffnet wird. Denn dann ist es nur nach ca. 15 Minütigem Stop-and-Go möglich, das Schulgelände zu verlassen.
Ein wahres Beispiel chinesischer Spontanität habe ich auch noch zu bieten. Uns wurde schon oft gesagt, dass wir bald umziehen. Als wir heute von der Arbeit zurückkamen, standen plötzlich ca. 40 Chinesen vor unseren bisherigen Zimmern und haben uns gefragt ob sie helfen könnten. Auf die Frage „Wobei denn?“ wurde mit „Dem Umziehen!“ geantwortet. Also ging es ans Aufräumen und innerhalb von einer halben Stunde sind wir dann umgezogen.
Des Weiteren ist hier im Süden China ein zweiter Sommer eingebrochen. Vorgestern hatten wir hier noch einmal 33 Grad und am Montag schöne 30 Grad. Im Vergleich zu den zum Teil 4 Grad die Ihr morgens habt, ist das hier ziemlich angenehm 🙂
Die chinesische Sprache
Hier wird es jetzt einen etwas trockenen Text zum Thema Chinesisch geben. Bilder wird es zu dieser Sektion nicht geben, da sie einfach nicht passen würden. Ich werde jedoch bald einen Artikel, der größtenteils aus Bildern bestehen wird, hochladen, damit auch der doch sehr hohe Bilderbedarf von euch gedeckt wird 😉
Also, Chinesisch (eigentlich Mandarin, aber ich werde es einfach mal ab jetzt Chinesisch nennen) ist an sich keine komplizierte Sprache. Die Grammatik ist größtenteils regelmäßig, es gibt keine Fälle, die Verben werden nicht konjugiert und die Tage und Monate sind nicht irgendwelche abnormalen Worte. So heißt z.B. „ich liebe dich“ übersetzt „wo ai ni“ (wo = ich, ni = du, ai = lieben) und „wir lieben euch“ „wo men ai ni men“. Montag ist xing qi yi, Dienstag ist xing qi er, usw. (yi, er, san, … sind 1, 2, 3, …).
Das schwierige an der Sprache jedoch ist, dass sich die Wörter an sich alle gleich anhören. Das sieht bei dem ersten Blick erst einmal extrem nach einem Vorurteil an, ist aber bei genauerem Betrachten nicht unbedingt falsch. Das liegt daran, dass alle chinesischen Wörter aus 23 Anfängen und 35 Endungen zusammengesetzt werden können. Jetzt den Unterschied zwischen den Anfangszeichen zhi, chi und shi zu hören, ist unglaublich schwierig. Genau so ist das auch bei vielen anderen Endungen und Anfängen.
Dazu kommen noch die verschiedenen Möglichkeiten die Wörter zu betonen. Jedes Wort kann (theoretisch) auf 5 verschiedene Weisen betont werden und hat bei jeder Betonung eine andere Bedeutung. Man kann ein Wort entweder wie bei dem französischen Accent ´ und `, einer Art umgedrehten Dach ˇ (man geht mit der Stimme erst runter und dann wieder hoch), einem höheren (ja man spricht dann wirklich höher!), langgezogenen Ton ( ̅ ) oder unbetont aussprechen. So schwierig wie sich das jetzt anhört ist es nicht, es ist noch viel schwieriger. Beim Sprechen muss man sich dann nämlich ganz genau merken, wie man die Wörter ausspricht, um nicht irgendetwas Falsches (und eventuell beleidigendes) zu sagen. Besonders schwierig ist es allerdings auch zu verstehen, was die Chinesen von einem wollen, wenn sie schnell reden. Denn dann sind die ganzen Zeichen verwischt und man kann kaum noch erkennen, was der Gegenüber denn genau gesagt hat.
Interessant ist auch, dass die Chinesen allesamt mit ihrer Kopfstimme reden. Die normale Stimme wird kaum benutzt, und es hört sich für einen gebürtigen Chinesen komisch an, wenn jemand chinesisch mit seiner normalen Stimme redet.
Nun zu meinem Chinesisch: Mein gesprochenes chinesisch ist nicht wirklich viel besser geworden, auch da ich nicht sooooooooo viel Zeit zum Lernen hatte und das wirkliche Lernen extrem Zeitintensiv ist. Des Weiteren kann man das Mandarin kaum im gesprochenen lernen, da man hier, wenn man Wörter aufschnappt, meistens nur die lokale Sprache hört. Ironischerweise bin ich im Verstehen schon um einiges besser geworden, also ich verstehe mittlerweile schon einzelne Fragmente von den gesprochenen Sätzen und versuche mir aus denen dann den Rest herzuleiten.
Entschuldigt bitte die „Bildlosigkeit“ dieses Artikels und macht’s gut,
Jesko
P.S.: Wenn ihr noch Fragen habt, schreibt mir bitte hier einen Kommentar, eine E-Mail an jesko.petersen@yahoo.com, oder bei Facebook/Skype!