Die Rucksäcke sind gepackt, pfannkuchengefrühstückt haben wir auch – also los zum Bahnhof: Dort haben wir uns mit Jesko verabredet. Superpünktlich war auch unser Zug da. Er ist breiter als unser Zug und die Sitzreihen mit viel Beinfreiheit ausgestattet. Nach 45 Minuten schon waren wir in Miaoli. Den Zug nach Sanyi haben wir knapp verpasst: Wir haben halt entspannt den Nächsten genommen.
In Sanyi angekommen, konnten wir in einem Laden unsere Rucksäcke freundlicherweise deponieren, so dass wir sie nicht mitschleppen mussten. Dann sind wir losmarschiert: Ziel war das Wood Sculpture Museum. Denn Sanyi ist berühmt für seine Schnitzereien. Schon als wir durch den Ort gingen, haben wir Werkstätten gesehen, in dem vor allem das Wurzelholz verarbeitet wurde. Im Vorbeigehen entdeckte ich eine Treppe, die cool bemalt war.
Endlich kamen wir nach ordentlichem Marsch am Museum an (Kirstens Schrittzähler konnte stolz auf uns sein!). Und wurden nicht reingelassen. Denn an manchen Stellen herrscht echte Corona-Hysterie: Wir hatten keine Schutzmasken. Es tragen hier schon viele Masken, aber mehr als Alibi, denn als echter Schutz. Im ersten Hotel wurde beim Einchecken per Ohrthermometer Fieber gemessen. Im National Museum wurde uns Desinfektionsspray in die Hände gesprüht (wie auch in dem einen oder anderen Laden): Und nun also wurden Atemmasken verlangt. Taiwan hat ungefähr so viele Fälle wie Deutschland: Aber hier ticken sie deswegen aus. Jede normale Grippe ist schlimmer. Aber zurück: Woher nun bitte Atemmasken bekommen? Apotheke kann man vergessen – da sind alle ausverkauft. Erst mal haben wir es hinnehmen müssen: Die Dame am Eingang war trotz Jeskos Flehen und Betteln („extra aus Deutschland gekommen …“) unerbittlich. Nun, daraufhin habe wir die Ladenstraße vor dem Museum abgeklappert. Da waren wirklich wundervolle Schnitzereien dabei. So fein und so kunstvoll!
In einem Laden wurde Klüngelkram verkauft und Sönke entdeckte Pseudo-Atemmasken. Also keine medizinischen (diese mintgrünen), sonder aus Stoff mit hübschen Motiven drauf – also so richtig gar kein Schutz. Jesko flitzte mit einer zum Museum: Sind die okay? Ja, waren sie: Also haben wir vier davon gekauft und sind zum Museum damit. Aber nein, nicht genug mit Maske, nun musste noch per Stirnthermometer Fieber gemessen werden. Nun, Sönke hatte keine Temperatur, also gar keine: Halt Null. Aha. Sie versuchte es noch ein paar Mal – es wurde nicht mehr. Dann hat sie bei Jesko gemessen: alles normal. Dann hat sie bei mir gemessen: Piepiepiep – alles normal. Kirsten: temperaturmäßige Nullnummer. Sönke? Dito. Irgendwann hat sie aufgegeben und wir durften rein. Aber die Hände mussten wir nicht desinfizieren…
Das Museum? Ja, waren schon coole Sachen dabei, aber in den Geschäften davor waren mindestens genauso schöne Objekte. Aber wir waren megafroh, diese dämlichen Masken, die an den Ohren ziepen und die Brille beschlagen lassen, endlich wieder abnehmen konnten. Was ein Tinneff!
Mit dem Taxi sind wir zurück zum Bahnhof, dann mit dem Zug nach Taichung, mit dem Bus zum Hotel: Hm, so ein Hotel Marke „geht gerade noch“-Level. Dann schnell wieder das Taxi zu einem Restaurant. Denn dorthin hatte uns Jeskos Gastfamilie spontan eingeladen. Eine nette Familie mit zwei Töchtern. Und es wurde aufgetischt, was der Tisch aushält. Wir haben superlecker und reichlich gegessen: Gans, Garnelen mit Rührei, Pfefferminzrührei mit Gemüse, Tofu mit Gemüse, scharfen Tofu, Berggemüse mit Minitrockenfischchen, Fischsuppe, … Danach wurden wir noch zur Familie eingeladen: Holla – die wohnen schon sehr edel … Das Haus ist auf 5 Stockwerke verteilt (mit Aufzug). Ganz oben ein Raum mit einer Betecke mit einem feinst holzgeschnitzem Buddha. Daneben die Trimmgeräte. Und in den darunter gelegenen Stockwerken die Zimmer der Töchter und der Eltern. Unten dann Wohnzimmer, Küche und Esszimmer: Joa – Jesko hat es schon gut getroffen …
Mit dem Taxi sind wir zurück in unser Hotel. Ich habe mich ans Schreiben gemacht und Sönke ist nochmal losgezogen, um ein Fläschchen Wein zu holen. Jemand im Zimmer über mir spülte die Toilette. Es blubberte bei uns im Bad. Hm. Dann duschte jemand im Zimmer über mir. Es gluggerte wieder. Vorsichtig habe ich den Toilettendeckel angehoben: Die Schüssel war reichlich voll… „Das geht nicht lange gut“, habe ich mir so gedacht. Irgendwo im Haus über mir wurde die Spülung betätigt. Joa, das wars dann … erfreulicherweise war es ein Bad, bei dem es einen Ablauf am Boden gibt.
Ich bin dann rüber zu Kirsten ins Nachbarzimmer: Gleiches Spielchen … Nachdem wir mit Kirstens Telefon keine Hilfe holen konnten, bin ich zu den Nachbarn rüber, die beim Essen saßen. Eine ältere Frau verstand meine Zeichen, dass ich Hilfe benötigte (englisch sprach sie nicht), wollte sich das Dilemma aber nicht ansehen. Aber sie hat ihr Handy geholt und den Hotelmanager angerufen: Sönke kam auch gerade zurück und wir konnten den Hotelmanager herbewegen. Mit dem Pömpel unterm Arm trat er an und hat sein Bestes getan: Aber die Verstopfung saß zu tief. Nach 20 Minuten schuften hatte sich nichts getan und es war klar: Umzug. Der Hotelmanager hat uns ein anderes Hotel besorgt, die Taxifahrt dahin übernommen und uns dann im neuen Hotel alles gezeigt. Denn die Hotelleitung hier spricht kein englisch. Meine Güte, das war unserem Hotelmanager aber peinlich – wir haben ganz gut mit dem Umzug leben können, denn die Zimmer hier sind besser.
Und auf die Aufregung haben wir erst einmal gemütlich unser Fläschchen Rotwein geleert…






Moin! Schön, dass ihr uns wieder im Blog mitnehmt. Danke!
Grüße aus dem Norden, dirk
PS: freue mich über Eisenbahnfotos als Mitbringsel