Bei wunderschönem, warmen Wetter sind wir früh zum Bahnhof, um dort unser Mietauto abzuholen. Das hat auch alles prima geklappt und Sönke hat sich auf die Straße gewagt. Und war gleich mitten im Getümmel! Mopeds links, Mopeds rechts: Bei Ampeln ist ein Extrabereich vor den Autos eingezeichnet, in dem die Mopeds auf Grün warten. Springt die Ampel um, dann geht es los wie bei einem Hornissenschwarm! Sönke war froh, als er auf einer „oberen Etage“ der Straße angekommen war – dort fuhren nur noch Autos.
In einem kleinen Ort außerhalb Taipehs haben wir angehalten und erst mal an einem Straßenstand gefrühstückt. Unsere Crêpes mit Füllung haben uns wieder für den Tag klar gemacht. Das erste Ziel sollte der Nationalpark Yang Min Shan mit heißen Quellen sein. Dazu sind wir zu einem der Besucherzentren hoch in die Berge gefahren. Dort haben wir eine Planung unserer Route zu den Highlights des Parks erhalten inklusive einer Privatführung durch die Ausstellung. On top: Einen eigener privater Vulkanausbruch. Okay, in klein und so ähnlich wie beim Miniaturwunderland, aber mit Fußbodenwackeln! Eine sehr liebevolle Austellung mit einem knuffigen Führer.
Als wir wieder zum Parkplatz sind, waren ein paar Wolken am Himmel. 10 Minuten später tröpfelte es und nochmals 10 Minuten später – noch weiter oben in den Bergen – da war der Himmel mehr als grau und es schüttete wie aus Kübeln. Aber richtig richtig! Sönke fuhr tapfer die Kurven durch den dicken Nebel und Regen zu unsererem eigentlich ersten Stopp. Wir haben beschlossen, dass das bei dem Wetter absolut keinen Sinn macht. Also sind wir zur Küste runtergefahren nach Yehliu – zum Glück hat es dort nicht mehr geregnet.
Wir haben dort einen Geopark besucht – und das hat sich richtig gelohnt! Zu Bewundern gibt es dort Sandstein- und Sandablagerungsformationen – die sehen so cool aus! Die schönsten hatten natürlich Namen wie „Queen’s Head“ oder „Fairy shoe“. Es wird mir schwer fallen für unser Fotobuch eine Bildauswahl zu treffen … Ich hätte dort gerne noch etwas mehr Zeit verbracht, aber der Himmel zog schon wieder zu.
Also hat uns Jesko mit seinem Handy über Keelung wieder in Berge nach Jioufen gelotst. Das ist ein ehemaliger japanisch geprägter Goldgräberort, der heute aber mit seinen engen Gassen, Teehäusern und einem wunderbaren Blick auf die Küste die Touristen anlockt. In den engen Gassen reihte sich ein Lädchen an das nächste: Natürlich mit Kitsch, mit Tee, mit Stinketofu, allerlei Fressalien.
Nun, das mit dem Ausblick ist zwar nur bedingt gelungen, aber wenn, dann war er dramatisch mit den dunklen Wolken. Es fing schon wieder an zu tröpfeln, also haben wir eines der Teehäuser aufgesucht und uns Tee kredenzen lassen. Nein, so eine komplizierte japanische Teezeremonie war das nicht, aber deutlich wertschätzender, als wie wir zu Hause mit Tee umgehen. In der Mitte des Tisches wurde mit Holzkohle permanent eine Kanne mit Wasser brühend heiß gehalten. Zuerst wurde mit einem Schälchen die richtige Menge an Teeblättern abgemessen. Dann wurde das Brühkännchen mit Deckel heiß ausgespült und dann auch das Umschüttkännchen, um vorgewärmt zu sein. Die Teeblätter kamen in das Brühkännchen, wurden mit heißem Wasser übergossen und durften 50 Sekunden ziehen. Derweil wurden kleine Schälchen heiß ausgespült, um auch vorgewärmt zu sein. Der Tee wurde in das Umgießkännchen abgeschüttet und anschließend in die Schälchen verteilt. Die nächste Brühdurchgänge (bis zu 6 Mal) sollten nur 10 Sekunden lang sein. Damit überließ uns die Teedame mit den Utensilien uns selbst: Jesko und danach Kirsten wurden danach zu Teemeistern erklärt und übernahmen den verantwortungsvollen Job. Sehr stilvoll!
Danach sind wir noch ein paar Schritte durchs Dorf gelaufen (klar, zwischendrin „Tempelalarm“ mit vielen schönen Tempelbildern: Die Motive gehen einem dort ja selten aus!). Es wurde schon langsam dämmrig und wir haben den Rückweg angetreten: Zurück ging es über den Freeway – also keine Kurven mehr durch die Berge. Den kleinen „Verfranser“ haben wir Jesko gerne verziehen: Er hat uns heute echt prima durch die Gegend geleitet. Und auch wenn Sönke froh war, das Auto ohne Macke wieder abgeliefert zu haben: Er ist echt toll gefahren.
Wir waren richtig hungrig und so haben wir uns in der Riesenfressmeile des Bahnhofs etwas zu Essen geholt – aber das war nicht so dolle. Für unsere Bahnfahrt mit dem Highspeed-Rail (so wie unser ICE) haben wir uns noch die Tickets für morgen geholt. Morgen abend wollen wir Jesko in Taichung „abliefern“.








