Gestern habe ich ja etwas geschwächelt: Dank Bananen- und Tee-Diät ist aber alles wieder im Griff. So haben wir die Rucksäcke schon gepackt im Zimmer stehen lassen und sind auf den großen Markt. Im Vergleich zum Vortag war der Markt um einiges angewachsen: Die ganzen Nebenstraßen waren voll mit Ständen. Neben Gemüse und Fleisch konnte man auch Masken, Kleidung, Haushaltsartikel und auch ein vielgepriesenes Wundermittel gegen eigentlich alles kaufen.Bushoppin nach Xela
Sönke hat an einem Stand Hackfleisch, welches in einen ganz fluffigen Teig getaucht und dann ausgebacken wurde, gegessen. Ich habe mir das noch verkniffen und mich mit einer Kanne Tee begnügt. Obwohl der „Gastronomiebereich“ schon verlockend war: Überall brodelte und brutzelte es in Töpfen und Pfannen und eigentlich an jeder Ecke hörte man das Klatschen der Tortilla-Bäckerinnen. Sie stehen meistens zu mehreren zusammen, formen eine Kugel aus dem Teig und patsch-patsch-patsch wird ein Fladen draus, der dann auf einem heißen Blech gebacken wird. Dann kann man die Tortillas mit Bohnenmus, Fleisch- oder anderem Belag essen. Aber ich war relativ schnell durch mit den Dingern – egal ob mit hellem oder dunklem Maismehl gemacht: Die schmecken einfach fad und werden immer mehr im Mund …
Wir haben die Rucksäcke eingesammelt und sind zu einer Stelle gelaufen, an der der Bus nach Los Enquentros fahren sollte, dort umsteigen, dann nach Quadro Caminos, dann umsteigen nach Quetzaltenango. Da kann sich unser Bussystem ein hübsches Scheibchen abschneiden: Die Anschlüsse waren alle klar unter einer Minute! Also Bus eins: Gleich dem Ayudante die Rucksäcke auf Dach hochgereicht und zackzack einsteigen. Erst standen wir im Bus und haben uns ordentlich festgehalten, aber als der Ayudante das Fahrgeld kassiert hat, sagte er zwei Männern, sie sollen zusammenrücken, so dass ich auch noch Platz zum Sitzen habe. Nun, also, es ist nicht unanstrengender mit einer Poppeshälfte zu sitzen, mit der anderen halber frei im Gang zu hängen und in den Kurven nicht rauszufliegen. Der Bus schraubte sich die kurvige Bergstrecke entlang und ich übte mich in verschiedenen Verkeiltaktiken. Dann umsteigen: Hinten am Bus raus, Rucksäcke abgeladen bekommen und der nächste Ayudante für den nächsten Bus schnappte sich Sönkes Rucksack – ich rannte hinter ihm her über die vielbefahrene Straße zum anderen Bus, gab dem Ayudante noch meinen Rucksack und bin nach vorne zur Tür geflitzt, wo Sönke nicht ohne seine Frau einsteigen wollte: Charming! Wieder durch den Mittelgang gedrängelt und dieses Mal hatte ich Glück und direkt einen Sitzplatz bekommen. Der Bus fuhr flott über die Panamericana bis es Zeit war, wieder den Bus zu wechseln. Schnell, schnell raus, Rucksack her, rüber, Ayudante Rucksack für’s Dach geben, dieses Mal über die Hecktür in den Bus krabbeln. Puh. Der Bus war ordentlich voll und „Dreierbank“ war wieder angesagt. Aber hat alles geklappt. In Quetzaltenango („Xela“ kurz und 2360 Meter hoch gelegen) haben wir die Rucksäcke bestimmungsgemäß gebuckelt und sind eine ganze Strecke durch die Stadt zu unserer nächsten Unterkunft gelaufen. Dieses Mal sehr nett im Kolonialstil und Kamin im Zimmer.
Wir haben einen Augenblick verschnauft, uns dann aber auf den Weg zum Parque Centroamérica gemacht. Joi, da war los: Marimbaspieler, Verkaufsstände mit allerlei Tand, Händler mit Obst (Mango mit saurer Soße und Chili), fittiertes Zeug aller Art. Wir haben uns ein Restaurant in der Nähe gesucht und etwas gegessen, sind dann wieder zum Platz, haben uns die Kirche und den Patio des Rathauses angeschaut. An einer Ecke des Platzes hat ein Mann mit drei Jungs zusammen Mariachi-Musik gemacht. Oh wie inbrünstig hat er gesungen: Ach corazon, ach corazon …
Als wir wieder weitergeschlendert sind, bemerkten wir, dass ganz viele Leute am Straßenrand standen und auf etwas warteten: Und da haben wir es auch schon gesehen – eine Prozession baute sich auf. Ein Mann erklärte uns, dass es sieben Wochen vor Ostern sei und mit einer Prozession eingeleitet würde. Viele Gruppen katholischer Bruderschaften bzw. Vereinigungen in Priestergewändern oder bunten tradionellen Gewändern zogen an uns vorbei und dann kam der Höhepunkt. Ca. 60 Personen trugen einen, ja wie nennt man das nun: Eine Jesusfigur vorne und einen großen Jesus mit Kreuz auf einem, der Kuppel der Kirche und nochwas drauf, auf einem riesigen Unterbau. Das Ding muss sauschwer sein, denn die Träger haben echt zu kämpfen gehabt, es im Gleichschritt vorwärts zu bewegen und auf Kurs zu halten (und mit dem Kreuz nicht die Straßenlaterne runter zu holen). Immer wieder wurden die Träger ausgetauscht (ja, auch Frauen haben geschleppt). Lustig waren die Buben, die mit Weihrauchgefäßen vorwegliefen und einen Heidenspaß hatten, die Teile wenig gesittet herumzuwirbeln. Direkt nach dem Riesenjesusgestell wurde ein Generator mitgeschoben: Mussten die Figuren doch unbedingt ins rechte Licht gesetzt werden. Dann kam die Musikkapelle, die an Dramatik nichts zu wünschen übrig gelassen hat. Den „Lumpensammler“ machte ein Mann mit einem fahrbaren Öfelchen, so dass sich die kleinen Jungs immer frische glühende Kohle von ihm holen konnten. Oh, er war so verzweifelt, wenn die Buben nicht schnell genug waren und er dem Zug wieder hinterher rennen musste.
Langsam wurde es dunkel und damit reichlich frisch: Wir haben uns auf den Heimweg gemacht und wollen mal sehen, welche Touren wir die nächsten Tage unternehmen können – es bietet sich da einiges an.








