4. Tag – Mayakult


Früh ging es in Panjachel los – der einzige Direktbus nach Chichicastenango (kurz: Chichi) sollte um 8:00 abfahren. Wir waren 20 Minuten früher an der Haltestelle – gut so: er fuhr nämlich schon 7:45. Glück gehabt… Der Bus (wieder ein öffentlicher „Chicken bus“) war schon brechend voll.

Irgendwie passten wir aber trotzdem rein. Plötzlich hatten unsere Rucksäcke Beine und landeten auf dem Dach. Soviel zu „passt immer gut auch Euer Gepäck auf!“ Nach einiger Zeit stiegen aber 3/4 der Passagiere aus und wir hatten auch einen Sitzplatz. Das heißt aber nur, dass die Bodenwellen statt in die Knie nun in die nach der Bootstour gestern verbliebenen 3 Bandscheiben ungefedert durchgegeben wurden. Aber die Musik war gut und laut und nach knapp 2 Stunden kamen wir in Chichi an. Sogar unsere Rucksäcke waren noch da.

Wir hatten nichts reserviert und sind einfach in ein kleines Hotel marschiert. Die hatten nur noch ein einziges Zimmer frei – leider mit Gemeinschaftsklo. Naja- für eine Nacht muss es reichen.

Chichicastenango ist ein ziemlich trostloses Kaff mitten im Hochland der Sierra Madre und eigentlich nur bekannt für den größten Markt in ganz Guatemala, der immer Sonntags stattfindet. So hatten wir heute ein wenig Zeit, das Dorf zu erkunden. In Sichtweite des Hotels liegt der farbenprächige — Friedhof. Auch hier vermischen sich wie fast überall im Hochland Katholizismus und Mayaglauben: Neben den Kreuzen findet sich überll ein Opferstein, an dem Kerzen, Harz, Blüten, Süßigkeiten und Alkohol verbrannt werden, damit die Ahnen und die Götter oben aufmerksam werden und die Gebete schneller in den Himmel steigen.

Die Kirche Santo Tomás wurde auf den Ruinen eines alten Mayatempels gebaut. Damit haben die Missionare damals die Chance deutlich erhöht, die Mayas in die Kirche zu kriegen. Noch heute laufen ständig auf den Stufen der Kirche ein paar Leute herum, die wie in präkolumbianischer Zeit mit viel Qualm Kopal-Harz verbrennen. Die Kirche innen ist ganz schwarz von dem Qualm der letzten Jahrhunderte. Finden sie hier aber schön…

Da wir bislang nichts gegessen hatten, haben wir uns dann erstmal auf dem Markt verpflegt: Elke hatte eine Hühner-Nudelsuppe und ich gebratenes Hühnerbein mit Reis. Einfach, aber lecker und billig. So gestärkt sind wir ein paar hundert Meter weiter zum Ortsausgang gelaufen: dort überspannt ein Tor die Ausfallstraße Richtung Norden: der Arco Cucumatz. Er zeigt eine gefiederte Schlange, den obersten Gott Quetzalcoatl bzw. Cucumatz – je nach Sprache. Es gibt hier in Guatemala viele verschiedene, ganz unterschiedliche Sprachen. Das war auch eines der Themen im örtlichen Museum, das vor knapp hundert Jahren von einem deutschen Pfarrer gegründet wurde. Er hatte wohl schnell Q’uiché gelernt und konnte sich so prima mit den Mayas verständigen. So hatte er Zugang zu vielen uralten Fundstücken, die ihm zugetragen wurden. Das Museum zeigt viele Gegenstände aus uralten Zeiten, z.T. über 2000 Jahre alt. Das Museum ist schon ein kleines Juwel hier in Chichi.

Wir hatten von einem Hügel gelesen, auf dem auch heute noch die Maya Opfer bringen (keine Menschen mehr, zum Glück nur noch Hühner…), dem „Cerro Pascual Abaj“. Dank guter Beschreibung in den Reiseführern haben wir den Weg durch den Wald gut gefunden. Auch oben an der Kultstätte wieder diese Mixtur aus Kreuzen, Mayaidolen und Opferschalen. Die Spanier haben wohl den großen Stein kaputtgeschlagen, aber die Indígenos haben einfach immer wieder kleinere Steine aufgebaut, bis die Spanier irgendwann aufgegeben haben. Zumindest die Kreuze waren ja da…. Kurz nach uns kam eine Horde junger Touristik-Studenten an, die die Kultur der Maya und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten kennenlernen sollten. Dass denn gleich ein paar Touris vor Ort waren, passte dem Leiter der Gruppe natürlich toll ins Konzept: wir sollten uns vorstellen und erzählen, was wir so in Guatemala machen, wie unsere Eindrücke sind usw. Zum Glück klappt’s noch mit meinem Spaisch ganz gut. Den Student(inn)en indes war viel wichtiger, ein Selfie mit uns zu machen. War schon ein bisschen wie China… Auf dem Weg zurück ging es noch durch ein kleines Maskenmuseum – diese traditionellen Masken werden noch immer für die verschiedensten Kulthandlungen benutzt.

Zurück im Hotel hat Elke ein kleiner Infekt gepackt, so dass sie sich erstmal hingelegt hat – hoffen wir mal dass es schnell vorbei geht.

Nachmittags haben wir dann eher zufällig hinter dem Friedhof einen runden Platz mit Statuen von Göttern entdeckt. Diese Anlage wurde wohl 2012 gebaut, als die letzte Epoche des Mayaklenders endete – Ihr erinnert Euch an die Hysterie, dass die Welt untergehen sollte? Als Symbol des Beginns der neuen Epoche wurde dieser Kreis (Plaza „Oxlajuj Baktum“) gesetzt. Soll für die nächsten 27.000 Jahre halten. Wir werden es im Auge behalten.

Und wir haben auch noch eine Beerdigung gesehen: Der Verstorbene wird mit einer Mariachi-Kapelle durch die Gemeinde getragen, bevor er denn in einem der bunten Grabstätten beigesetzt wird. Schon irgendwie komisch für uns: Die fröhliche Musik und dahinter die weinenden Trauernden.

Abends bin ich dann nochmal ins Zentrum und habe ein paar Bananen für meine Süße gekauft – jaja, der Darm…. Ich selbst hab mir einen „Guatemala-Döner“ gegönnt: Brot mit Fleisch, Schinken, Zwiebeln und allerlei Gewürzen. Lecker und billig.

Heute war der Markt ja überschaubar. Aber jetzt wird das ganze Dorf zum Markt umgebaut – schaun wir mal wie’s morgen aussieht…