3. Tag – Audienz bei Maximón

Wir hatten bereits gelesen, dass es abends gerne am See windet und es dann nicht einfach ist, die Boote zu steuern. Aber in der Nacht hat es so richtig gestürmt! Und wir hatten nach dieser unruhigen Nacht (auch abgesehen davon, dass wir ein Deckenproblem hatten und die Matratze nicht so ganz wirbelsäulenfreundlich war) schon die Befürchtung, dass es nichts wird mit unserer geplanten Tour über den See. Aber gegen Morgen hat der Wind nachgelassen.


Zum Frühstück haben wir mit leichten Abweichungen das Gleiche wie gestern gehabt: Und ich schätze, es wird nicht das letzte Mal gewesen sein…
Aber nun los: Sachen geschnappt und zum Anleger. Sönke sprach mit einem Mann über den Sturm der vergangenen Nacht: Er sagte, dass sie die Auswirkungen des Klimawandels merken würden, sie hätte immer öfter ungewöhnliche Wetterlagen. Gerade noch rechtzeitig kamen wir am publico an. Kurzer Nebensatz dazu: Die Berge rund um den See sind steil und da ist es klar einfacher mit dem Boot von einer Ortschaft zur anderen zu gelangen. Die Boote sind so etwas wie öffentliche Wasserbusse. Da wir mit die Letzten waren, standen wir im Heckbereich eng gedrängt direkt neben dem Kapitän des Bootes. Sein Stand war etwas erhöht, so dass er über das Boot hinweg sehen konnte. Es wurden noch zwei große Plastiktanks eingeladen und das eine davon stellte sich der Kapitän zwischen die Beine. Ich wunderte mich, war dieser Riesenkannister mit Diesel nicht irgendwo ander verstaut wurde, zumal der Deckel eher kein Deckel war.
Nun, wir starteten und zwar volle Kanne: War ich froh, dass ich mich an einer Stange festhalten konnte und Sönke mich etwas abfederte. Es fühlte sich an wie U-Bahn-fahren mit Zusatzdimension des Wellengangs. Neben mir tauchte von irgendwo her ein Helfer mit einem Schlauch auf. Er schraubte den Pseudodeckel des Kanisters auf, steckte den Schlauch hinein, saugte einmal an und tankte das Boot in voller Fahrt! Zwischendrin spritzte etwas Diesel raus und ein zweites Mal lecker Ansaugen war angesagt. Warum soll auch nur Luftbetankung funktionieren … Ich war nicht unfroh, als die Fahrt vorüber war.
Wir landeten in Santiago de Atitlán. Dort haben wir uns ein Tuktuk mit einem Führer gegönnt. Er fuhr ein Stück weit den Berg hinauf zu einem Aussichtspunkt: Von dort hatte man einen schönen Blick auf einen der drei Vulkane am See. Es ging weiter über den Friedensplatz zum Waschplatz der Majafrauen. Eigentlich waren dort Waschplätze in einem Pavillon, aber die Stadt hat dort das Wasser abgestellt: Sie sollen doch Waschmaschinen benutzen. Aber für die Majafrauen ist der Waschplatz vor allem kommunikativer Treffpunkt. Und so haben sie am nahegelegenen Ufer ihre Waschsteine und waschen am See. Kann man zwar verstehen, aber für das Wasser des Sees ist das nicht wirklich der Hit.
Und dann haben wir den Maximón besucht. Das ist wirklich eine krude Geschichte. Der Maximón ist eine Holzfigur und ist eigentlich ein Majagott gewesen und nun verschmolzen mit einer christlichen Figur. Es ist ein echter Antiheld und ärgert die anderen Heiligen. Er hat keine Arme und Beine, denn die Bauern haben sie ihm abgehackt, weil er mit ihren Frauen rumgemacht hat. Er raucht immer Zigarre und ist dem Alkohol sehr zugeneigt. Die christliche Obrigkeit hat den Kampf gegen ihn aufgegeben und so ist er immer bei der Karfreitagsprozession dabei.
Unter dem Jahr wohnt er bei Leuten im Dorf und kann dort besucht werden und hat dabei immer ein offenes Ohr für die insbesondere weltliche Sorgen und Nöte der Menschen. Ein Schamane vermittelt, so dass der Draht nach oben auch gewährleistet ist.
Wir wurden noch zur Kirche gebracht, die wir aber nur kurz besucht haben, da gerade ein Gottesdienst stattfand. Rechts und links standen die ganzen Holzfiguren der anderen Heiligen: Da müssen sie wenigstens nicht die Gesellschaft des Maximóns ertragen …
Vor der Kirche war eine alte Frau, die noch die alte Art eines Sonnenschutzes trug und uns zeigte: Sie wickelte sich ein langes Band um den Kopf, so dass eine Krempe entstand. Tricky!
Die letzte Station war ein Webereimuseum, aber das haben wir nicht wirklich angeschaut. Obwohl die Weberei hier eine lange Tradition hat: Und ich mag die hübschen Wickelröcke der Frauen mit den breiten Bindegürteln. Sie werden hier von allen getragen – so wie in Myanmar auch. Und schöne Ponchos haben sie hier – ich liebäugel etwas damit …
Damit war die Tour mit dem Tuktuk zu Ende und wir sind auf eigene Faust durch den Ort gewandert. Jaaa, und wir haben wieder einmal einen Markt gefunden. Ich liebe das Gewusel: Hier werden viele Zwiebeln angeboten, das Hauptprodukt dieses Ortes. Zum ersten Mal habe ich Kakao angeboten gesehen – Sönke war nur so schnell weiter, da ist das Foto leider unscharf geworden.
A propos Fotos: Meine alte Kamera hat in Myanmar ja leider den Geist aufgegeben. Ich hatte mir eine andere inzwischen gekauft, aber aufgrund der nicht so ganz sicheren Lage in Guatemala haben wir uns noch eine Kompaktkamera gekauft und diese mitgenommen. Es ist für mich völlig ungewohnt über den Monitor den Bildausschnitt zu wählen und nicht über den Sucher. So ganz überzeugt bin ich noch nicht und wünsche mir bereits jetzt meine andere Kamera her.
Zurück: Wir sind wieder zum Anleger und haben das Boot zum nächsten Dorf genommen. Eigentlich saßen wir ganz vorne , wollten wir doch etwas von der Landschaft sehen, haben uns nach den ersten Duschen aber weiter nach hinten verzogen. Das Boot hatte richtig Schwierigkeiten gegen Strömung, Wellen und Wind anzukommen. San Pedro la Laguna war nicht so dolle und so sind wir zurück und haben das Boot nach Panajachel genommen. Voll Speed über den See zurück: Jede Welle ein Spaß für die Bandscheiben …
Nach kurzem Aufladestopp im Hotel sind wir zu einem Parque Natural gelaufen: Das war nicht so dolle, auch wenn wir Affen gesehen haben und über Hängebrücken marschiert sind. Der netteste Teil war noch ein Schmetterlingshaus.
Zurück im Ort hatten wir echt Hunger und haben ein ganz nettes Restaurant gefunden: Wir hatten beide Hühnchen und beide waren wirklich lecker – das beste Essen bislang.
Morgen geht es weiter nach Chichicastenango.