Update

Hallo ihr wunderschönen Fleißarbeiter der leisen Froschliebe,

Es tut mir wieder einmal Leid, dass ich so lange nicht geschrieben habe, aber dieses Mal habe ich wirklich eine gute Ausrede!

Ich habe mir ein größeres Messer gekauft, da ich es leid war, die Äpfel immer mit meinem kleinen Taschenmesser 10 Minuten lang zerschneiden zu müssen. Mit dem großen Messer konnte man das Obst dann gut in einem Schwung zerteilen. Ich habe leider keine Unterlage auf die ich zuschneiden kann, weswegen ich den Apfel immer in die Hand genommen habe und dann mit dem Messer kurz vor meiner Hand gestoppt habe, der Apfel aber durchteilt war.
Vor 10 Tagen war der Apfel, den ich normalerweise zu meinem täglichen Mix von Wasser, Sojamilchpuder, Haferflocken und Früchten hinzufügen würde, leider ein wenig widerspenstig. Natürlich habe ich das nicht lange auf mir sitzen lassen und habe dem Apfel mit mehr Druck von der Klinge gezeigt wer der Boss im Haus ist. Leider habe ich bei diesem genialen Schachzug vergessen, dass meine Hand den Apfel hielt.
Was dann folgte war ein wahres Spektakel an Ereignissen! Das Blut spritze in einer Fontäne bis an die Decke meines Raumes und mein panisches Kreischen wurde nur von der lauten Musik der Anlage aus meinem Zimmer übertönt. Das bubenhafte Geschrei konnte auch Raphael irgendwann nicht mehr aushalten und kam zu mir gestürmt. Ich hatte mich inzwischen schon aus meinem Zimmer rausbewegen können. Als ich Raphael sah, schrie ich nur etwas wie „Shit, shit, shit! Hol mir was zum Abdichten!“ Der ist dann in seiner Verwirrung erst einmal in sein Zimmer gerannt, doch konnte dort nicht sofort ein nutzbares Abbindmaterial auffinden. Während ich in einer inzwischen 50 cm tiefen Blutlache lag, ging Raphael dann in mein Zimmer und hat erst meine Karteikarten, dann eine Kompresse zum Schließen des Lecks gefunden.
Doch damit war der Käse nicht gegessen, besonders nicht für Raphael, der inzwischen Veganer ist. Wir sind nach dem Anlegen des provisorischen Verbands dann erst mal zu einem kleineren Hospital gelaufen, welches bei uns in der Nähe war. Während des ganzen Abenteuers sind waren wir wie Hobbits unterwegs gewesen, was aber an sich nicht schlimm war, denn die Chinesen haben ja eher die Körpergröße von Hobbits. (Eine Erklärung für all diejenigen unter euch, die frevelhafter Weise den Herr der Ringe nicht kennen: Hobbits sind kleinwüchsige Wesen, welche durch ihre Fußkonsistenz, die unglaublich hornlastig ist, niemals Schuhe oder Socken tragen.)
An der Kompetenz der Leute in dem Minihospital zweifelten wir bereits, als sie die Kompresse von meinem Finger abnahmen und eine weitere Blutfontäne sich gen Himmel streckte. Doch anstatt eine weitere, bessere Kompresse auf meinem Finger zu befestigen, gaben sie und 5 Wattestäbchen, die nicht unsere Ohren, sondern in meine Wunde, welche inzwischen kratermäßige Ausmaße angenommen hatte, gesteckt worden sind.
Nachdem wir unsere Unzufriedenheit lautstark und in einem Rapsong bemerkbar gemacht hatten („YOU FUCKING MOTHERFUCKING FUCKERS!“), ist mein Erzengel auf die Straße gesprungen und hat eines der blechernen Dreiräder angehalten, in welches ich, immer noch kreischend gesprungen bin. Doch auch der Verkehr zu dem nächsten, großen Krankenhaus sollte nicht flüssig laufen fahren. Denn gerade dann, wenn es einmal schnell gehen fahren soll, sind natürlich mehrere Staus auf der ca. 800 Meter langen Strecke zum Krankenhaus. Um dem Warten zu entgehen, haben wir durch mehrere Aktionen, wie zum Beispiel schreien („GET OUT OF THE FUCKING WAY!“) aber auch durch die fontänenartigen Blutströme, die ich geschickt auf die blockierenden Fahrer lenkte, durchgeführt. Nach kurzer Zeit haben sich diese dann auch aufgelöst und wir sind an dem Krankenhaus angekommen.
Dort ging es dann auch relativ schnell, der Arzt hat die Wunde, welche inzwischen jegliche Blutreserven verloren hatte, genäht und verbunden. Nach einigen panischen Anrufen sind dann auch Lehrer von meiner Schule (inklusive der Rektorin!) gekommen und haben mich zu einem Essen eingeladen, welches ich aber dankend abgelehnt habe. Stattdessen haben sie mir dann eine Packung von Äpfeln (!) gegeben. Die Ironie des Lebens hätte sich in diesem Moment nicht deutlicher zeigen können!

Direkt nachdem ich mir meinen halben Finger abgesäbelt hatte gab es eine weitere Überraschung, welche das Leben für mich bereithielt. Ich wurde Vater. Ich hatte am nächsten Morgen nicht nur 9 ½ Finger, sondern auch Spuckeritis und Dünnfladder. (Ich habe mich übergeben und hatte Durchfall). Der Dünnfladder sollte dann auch noch 2 weitere Tage halten, in denen ich mein Zimmer nicht verlassen habe. Die anderen Beiden haben mich während dieser Zeit unglaublich gut versorgt weswegen es mir auch jetzt wieder gut geht.

Sonst ist hier eigentlich nicht besonders viel passiert. Wir haben ab jetzt für 2 Monate Ferien, die ich besonders stark mit Reisen verbringen möchte. Im Moment sind wir in Dali, einer Rucksacktouristenmetropole, die unglaublich schön ist. Wie ich weiterreise weiß ich noch nicht, aber meine nächsten Artikel sollten praktisch werden praktisch nur aus Bildern bestehen.

Das war es erst einmal von mir. Ich wünsche euch ein gesegnetes Weihnachtsfest, möge Santa eure Wege behüten und Gott euch viele Geschenke bringen (oder andersrum?).
Frohe Weihnachten!

5 Gedanken zu „Update“

  1. Wir wüssten ja gerne noch, wie es Dir und Deinem Finger jetzt geht. Ist alles wieder an Ort und Stelle und funktioniert der Finger wieder?

  2. Sprachlos…
    Jesko! Was machst du auch immer 😀
    Ich hoffe, dir gehts spätestens jetzt aber wieder besser, um deine Ferien-Zeit gebührlich zu genießen:)

    Weihnachten hier im ‚Einheitsgrau‘ zu feiern war nicht gerade toll… Vielleicht sehen wir ja noch ein wenig Schnee vor Sommer 🙁

    Ich hoffe, du hattest besinnliche Weihnachten fernab der Familie 😛 Guten Rutsch ins Jahr 2012

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