6. Tag: Maria und das Huhn

Zwischenbemerkung: Wir haben zu den vorherigen Tagen noch ein paar Bilder zu den Berichten gepackt: Ihr findet sie jeweils unter dem Bericht.

Nein, gestern bin ich natürlich nicht verhungert: Sönke wachte irgendwann auf und wir hatten in einem netten Grillrestaurant Hühnchen. Leider war das Dessert aus: Doce de Papaya mit Ziegenkäse eilt ein toller Ruf voraus – das möchte ich unbedingt probieren.
Heute morgen bin ich mit Muskelkater aufgewacht – und Sönke sollte keinen haben? Mein Weltbild wurde wieder zurechtgerückt, als mein Schatz heute nachmittag verkündete, dass auch er welchen bekomme …
Wie angekündigt, haben wir uns die Küstenstraße vorgenommen: Von Ribeira Grande sind wir nach Sinagoga gelaufen. Im Schatten der mächtigen Felsen, die die Brandung akustisch verstärkten, führt die gepflasterte Straße immer direkt an der Küste entlang. Gischt steigt die Felswände hoch und die Pflanzen nehmen die Feuchtigkeit dankbar auf.
Die Sonnenstrahlen fallen fast aus den Schluchten heraus und beleuchten einzelne Punkte der Straße. Ich mag diese Stimmung sehr.
Bei Singoga sind wir einem Aluguer zugestiegen und bis Paul gefahren. Das Aluguer ist weiter in die Paul-Schlucht abgebogen und wir an der Küste geblieben. Am Ende des Ortes haben wir ein paar Leute gegrüßt und wie immer einen freundlichen Gruß mit Lächeln zurückerhalten. Kinder probieren bei dieser Gelegenheit gerne mal ihre Sprachkenntnisse aus und schmettern ihre Grüße gleich in mehreren Sprachen raus, fragen nach dem Namen – immer lustig.
Dieses Mal aber haben wir nicht nur einen Gruß zurückerhalten, sondern gleich Begleitung. Maria mit ihrem Huhn. Sie hatte ein (lebendiges) Huhn gekauft für ihre sechs Kinder. Und das trug sie nun unter ihrem Arm nach Hause. Da es sich gerade anbot und es bestimmt kurzweiliger war als alleine zu laufen, hat sie uns begleitet. An Häusern vorbei, wo sie immer mal wieder einen kleinen Ratsch abgehalten hat und uns dann schnell wieder hintergelaufen ist. Und erzählte immer wieder fröhlich – auch wenn wir nicht alles verstanden haben. Zeigte uns Yams, der am Straßenrand wächst. Lernte, dass es in Deutschland kalt ist und gerne regnet. Schaute mit uns den „Mount Washingtons Face“ an, wie die Amerikaner einen Felsen aus naheliegenden Gründen getauft haben. Und freute sich über unser Interesse an den wilden Felsformationen, der aufsteigenden Gischt, der heftigen Brandung. Durch einen Tunnel mit Fußgängerweg ging es immer weiter. Nach ca. 8 Kilometern waren wir an ihrer Hütte angelangt: Sie hat uns eingeladen, mit in ihre Hütte zu kommen, aber wir haben abgelehnt, weil wir weiter bis zum Leuchtturm wollten und die Sonne schon wieder ziemlich brütend schien. Jeden sich bietenden Schatten haben wir gerne genutzt. Natürlich haben wir noch ein Foto von Maria und ihrem Huhn gemacht, welches vermutlich kein besonders langes Leben mehr führen wird. Mit einer herzlichen Umarmung und viel Winken haben wir uns verabschiedet und sind zum Leuchtturm marschiert. Dieser ist nicht mehr in Betrieb, aber man hat eine phantastische Aussicht auf die Küste von dort oben. Danach sind wir noch ein Stück die Straße weitergelaufen, sind dann aber umgekehrt, weil es nicht mehr so interessant war. Ein Autofahrer, der auf seiner Ladefläche ein paar Fischer sitzen hatte, hat uns noch vorne in seinen Wagen einsteigen lassen und uns wieder bis nach Paul mitgenommen. Wir haben dort noch eine kleine Trinkpause eingelegt und sind mit einem Aluguer nach Ribeira Grande zurückgefahren.
Nach Bericht schreiben waren wir noch lecker essen: Als Vorspeise haben wir endlich Ziegenkäse bekommen und noch dazu (das hatten wir schon einmal bekommen) pastel di midju, eine frittierte, mit Fisch gefüllte Teigtasche. Sönke hat „etwas“ bestellt und ragout de buzu erhalten: Große, in Scheiben geschnittene Strandschnecke – sehr gut! Und ich hatte Rindfleisch in Madeira mit Birne und Gemüse dazu – ebenfalls klasse!