3. Tag – Meeresgetier und Vulkanseen

Es hat alles gepasst: Das Wetter ist tatsächlich besser geworden, so dass wir früh am Morgen ohne viel Frühstück im Bauch im Hafen von Villa Franca do Campo standen. Wir haben eine Whale-Watching-Tour gebucht: Wir wissen, dass das Meer kein Zoo ist und haben von daher unsere Erwartungen etwas heruntergeschraubt. Wir hatten uns diesen Anbieter herausgesucht, weil sie sehr verantwortungsvoll mit ihren Touren unterwegs sind und wissenschaftliche Untersuchungen unterstützen.

Zunächst haben wir eine Einweisung erhalten: Welche Tiere denn überhaupt zu sehen sein können in den azoreanischen Gewässern und eine Safety-Einweisung. Dann wurden wir auf zwei Schlauchboote verteilt und es ging los. Erfreulicherweise war es nicht so windig wie gestern, so dass das Meer relativ ruhig war. Und dann hat Lisa, unser Guide, die ersten Delfine gesichtet. Wir waren natürlich richtig happy, dass wir überhaupt etwas zu sehen bekamen.

Gar nicht so einfach, sie zu fotografieren, weil sie so unglaublich flink sind. Ein Baby-Delfin war auch dabei und sprang aus dem Wasser. Dann drehten wir ab und fuhren weiter raus. Die Aufregung stieg: Und tatsächlich konnten wir vier Fontänen zählen. Es sollten wohl zwei Muttertiere mit ihren Kälbern sein: Buckelwale. Und dann tauchte eines der Muttertiere ab, so richtig klassisch mit Fluke zeigen.

Wir beobachteten noch eine Weile das Kalb, das nicht mit abtauchen kann. Es wartet auf die unten jagende Mutter, steht aber wohl permanent mit Klicklauten in Kontakt. An Bord hatten sie ein Gerät, dass die Klicklaute zu uns übertragen hat – ganz spannend!

Wir drehten ab Richtung Küste: Dort sollten noch mehr Tiere zu sehen sein. Und wie viele: Lisa meinte, dass es bestimmt über hundert Delfine seien, die um uns herum schwammen. Tatsächlich waren der gemeine Delfin zusammen mit einem gefleckten Atlantikdelfin unterwegs. Letztere sind unterwegs Richtung Florida. Es war so schön, sie zu beobachten.

Zeit für den Rückweg: Bevor wir aber in den Hafen zurück sind, haben wir noch die Ilhéu da Vila umrundet: Eine kleine Insel mit einer Lagune – sehr malerisch. Im Sommer kann man dort baden, aber in der restlichen Zeit soll sich die Natur erholen und die Insel ist gesperrt.

Nachdem wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten, haben wir einen kleinen Abstecher in eine Bäckerei gemacht. Sie ist berühmt für ihre Törtchen – die haben wir natürlich probieren müssen. Sehr lecker, aber auch sehr süß.

Anschließend haben wir nochmal diese Treppenkappelle besucht: Das sah doch gleich anders aus als gestern im Nebel. Zudem hatten wir heute einen schönen Blick auf die Laguneninsel.

Wir haben spontan entschieden, das gute Wetter auszunutzen und zum Vulkansee Lagoa do Fogo hochzufahren. Das ist einer der drei größeren Vulkanseen. Oben angekommen pfiffen uns die Wolken wieder um die Ohren, aber immer wieder gab es Lücken, so dass wir einen fantastischen Blick auf den See mit toller Färbung erhaschen konnten. Es war eine ganz besondere wilde Stimmung mit den Wolken, die sich immer wieder fast in den See ergossen. Außerdem konnten wir immer wieder auch nach Ribeira Grande an der Nordküste runterschauen.

In dem See baden darf man nicht: Unter dem Wasser ist eine Schicht, die mit sehr viel CO2 angereichert ist. Würde das freigesetzt werden, würden die Leute um den Vulkan herum ersticken. Es gibt auch einige Wiesen, die aus dem Grund nicht beweidet werden dürfen. Warnschilder sind da, dass man dem Boden mit den Atemwegen nicht zu nah kommen sollte. Gut, hatten wir jetzt auch nicht vor.

Auf der Route Richtung Ribeira Grande haben wir noch einen Stopp eingelegt und sind zu einem Wasserfall gelaufen. Der sah auch recht hübsch aus, so dass sich der steile Weg dahin auch gelohnt hat. Direkt nebenan wird Geothermie zur Energiegewinnung genutzt. Das bietet sich hier ja echt an.

Kurz vor Ribeira Grande sind wir Richtung Osten abgebogen und dann gleich wieder Richtung Süden: Wir wollten über die Nordost-Flanke des Fogo wieder zurück. Ein kleines Sträßchen, vorbei an kleineren Fumerolen und einem Thermalbad führte den Berg wieder hinauf. Eigentlich wollten wir den Kratersee nochmals von der anderen Seite sehen, aber das Sträßchen wurde zu rumpelig, so dass wir lieber umgedreht sind und eine bessere Straße genommen haben.

Die führte noch an einem weiteren kleinen, sehr romantisch gelegenen Vulkansee vorbei. Da haben wir das Auto geparkt und sind einen reichlich matschigen Weg gelaufen, um ihn zu sehen. Unser Fitnessprogramm für heute ist damit bestimmt erfüllt.

Wieder in Ponta Delgada haben wir uns kurz frisch gemacht und sind mit Riesenhunger in die Stadt gelaufen. Eigentlich wollten wir in ein anderes Restaurant, aber die Karte hat uns doch nicht so gefallen, also sind wir in das Lokal von gestern. Die Karte haben wir noch nicht rauf und runter gegessen, also kein Problem.

Es war ein langer, aber megaschöner Tag, den wir sehr genossen haben. Morgen soll das Wetter sich wieder von seiner nicht so schönen Seite zeigen – aber wir haben ja noch ein paar Sachen auf unserem Zettel.