20. Tag – Inle-See zum Zweiten


Nicht ganz so früh wie gestern haben wir uns erneut auf den See begeben: in Indein wollten wir den großen Markt besichtigen und unser Schipper wollte uns noch mehr vom See zeigen. Nach der üblichen Fahrt durch den Kanal kamen wir wieder an den (nach unserer Meinung eigens für Touristen-Fotos angeheuerten) posierenden Fischern vorbei ein Stückchen über den See. Unsere Photos sind von weiter draußen auf dem See, wo die Fischer denn auch tatsächlich Fische in den Netzen hatten. Der Inle-See ist Biosphären-Reservat und „asiatisches Naturerbe“. Es gibt hier unglaublich viele verschiedene Wasservögel; wir haben Enten, Möwen, Reiher, Kormorane, Störche, Eisvögel, Schwalben, Blässhühner und Gänse identifizieren können, dazu weitere Stelzvögel, die wir einfach nicht kennen.

Nach einem kurzen – tatsächlich recht interessanten – Stopp in einer Silberschmiede-Werkstatt ging es dann in einen Zufluss des Inle-Sees nach Indein. Alle paar 100 Meter gab es kleine Bambuswehre von ca. 30 cm Höhe, die es mit Schwung und viel Augenmaß zu meistern galt. Schon auf dem Fluss waren viele weitere Boote unterwegs: ich glaube, der „große“ Markt heißt vor allem deshalb so, weil alle Schipper ihre Touris hier abladen. Entsprechend enttäuschend war auch das Angebot: fast 100% Nepp aus allen Teilen derWelt, nach Angaben der Händler indes alles echte Handarbeit aus Myanmar. Unser Killerargument: „Schiedde!“. Klingt plattdüütsch, heißt aber „Hab‘ ich schon!“. Gemeint war immer die plattdeutsche Version, aber das wussten die ja nicht 😉

Einige wenige „echte“ Marktstände gab es denn doch: die Paoh-Frauen (in schwarzer Tracht mit bunten Frottee-Turbanen) verkauften Gemüse und Leckereien. Wir haben zahnfreundliche Erdnüsse in karamelisiertem Rohrzucker genascht: echt lecker, wie auf dem Jahrmarkt unsere gebrannten Mandeln.

Abseits des Marktes war es wieder richtig schön: ein großes Pagodenfeld mit teils zerfallenden, teils auch neu errichteten Stupas in allen Schattierungen von ocker über weiß bis golden.

Zurück ging es dann über den Fluss zu einer Weberei, die von den Padaung betrieben wurde. War schon ein blödes Gefühl, die „Giraffenhals-Frauen“ zu sehen: in diesen Stämmen gilt es für die Frauen als besonders schön, durch immer mehr Messingreifen um den Hals den Schultergürtel so weit runterzudrücken, dass der Hals 40 cm lang wirkt. Nicht so unser Ding, wenn der „Schönheit“ wegen der Körper verunstaltet wird – aber das gibt es in anderer Form ja auch bei uns im Westen…

Sehr schön war dann wiederum die Fahrt durch die Dörfer der Inthe, die ihre Häuser auf Stelzen im See bauen und ihre schwimmenden Gärten bewirtschaften. Dazu werden Bambusmatten an Stangen im See verankert und mit Erde beworfen: fertig sind die Beete, auf denen Tomaten, Kürbisse, Kohl und mehr prima zu wachsen scheinen.

Nach der Rückkehr nach Nyaungshwe haben wir erstmal Geld gewechselt, um für das Wochenende gerüstet zu sein: aus der Bank kommt man immer mit dicken Bündeln, denn die größte Note ist hier der 5.000-Kyat-Schein, umgerechnet etwa 4 Euro. Elke brauchte wieder ihre Siesta und so haben Kevin und ich noch einen Streifzug über den Markt (der hat seinen Namen wenigstens verdient) gemacht und in einem Restaurant einen Cocktail geschlürft.

Abends haben wir dann endlich das in den Reiseführern viel gelobte Restaurant „Htoo Htoo Aung“ gefunden – 3 Tage hatten wir es vergeblich gesucht. Aber die Sucherei hat sich gelohnt – wir hatten ein superleckeres Inthe-Menü (Suppe, Fisch im Bananenblatt, Reiscräcker, Erdnuss- und Tomatensoße, Gemüse). Auf dem Weg ins Hotel sind wir noch bei einer Filmvorführung hängen geblieben: ein etwas rührseliger, aber liebevoll gedrehter Film der Inthe über ihre Kultur.