17. Tag – Kein Internet – aber mit der Natur verbunden


Es hat die ganze Nacht gerauscht – nein, das war kein Regen, das muss ein Bach sein. Okay, mach ich halt die Augen auf, aufstehen und nachsehen. Eine wirklich nette Anlage, neben der ein kleiner Bach durchrauscht. Nachdem wir gestern nicht wirklich viel gegessen haben, haben wir das Frühstück auf der großen Veranda sehr genossen. Noch war es leicht bewölkt, aber uns wurde Sonne prophezeit. Und – bingo – als wir loszogen, brach die Sonne durch.

Ziel unserer gestrigen Strapazen war Semuc Champey, ein Naturwunder. Und das ist nicht übertrieben. Wir hatten alle Wertsachen im Hotel gelassen und sind nur mit Minimalgepäck los: Hier hat es schon einige Überfälle gegeben und wir haben die Ratschläge unseres Hoteliers befolgt – und das hat geklappt, um es vorweg zu nehmen.

Als erstes sind wir (in kleinerer Gruppe, die sich spontan zusammengefunden hatte) zu einem Mirador, einem Aussichtspunkt, hochgeklettert. Über hohe Steinstufen, steile Holztreppen und viel glitschiges Laub sind wir hochgekeucht. Und es war ein wunderschöner Ausblick in das Tal unter uns: Dort donnert ein Fluss über große Felsbrocken hinunter, verschwindet dann aber in einer Höhle. Obendrüber ist eine natürliche Kalkbrücke mit Sinterterrassen, die von kleinen Seitenbächen gespeist werden. Dann kommt der unterirdische Fluss wieder mit Getöse zum Vorschein. Es ist mal wieder Zeit für ein whow!

Vorsichtig stiegen wir zu den Terrassen hinab – meine Herren war das rutschig. Nach zig Fotos haben wir uns die Badeklamotten angezogen und haben ein erfrischendes Bad in den Naturbecken mit wunderbar klarem, türkisblauen Wasser genommen. Und kleine Fischchen haben uns sogar noch eine Pediküre-Wellness-Behandlung angedeihen lassen. Irgendwann hatten wir genug und sind flussabwärts zum Eingang gelaufen – immer wieder mit Fotostopps. Es war einfach so schön!

Nach kleinem Mittagessen und kurzer Siesta sind wir von Ana, einem Mädchen aus dem kleinen Ort hier, abholt worden. Sie wollte mit uns Schokolade machen.
Hier gibt es viele Kakaobäume und da war es naheliegend, die Gelegenheit beim Schopfe zu ergreifen und mehr darüber zu erfahren. Die reife Frucht hatten wir bereits auf der großen Plantage bei Xela kennengelernt. Hier wurden die Kerne mit dem Häutchen drei Tage lang fermentiert und anschließend zum Trocknen ausgelegt. Ana gab uns drei Schälchen dieser getrockneten Bohnen. Wir gaben sie auf ein heißes Blech und rösteten sie. So konnte die nächste Schale ganz leicht entfernt werden. Wir schälten und Ana sah sich derweil meine Bilder aus Myanmar an, die noch auf der Speicherkarte waren. Als wir mit der Schälerei durch waren, holte Ana einen Reibe- und einen Mühlstein.

Alle Bohnen kamen auf den Reibestein und als weitere Zutat Zucker. Und dann mussten die Bohnen mit dem Mühlstein zerrieben werden: Eine ganz schön anstrengende Arbeit! So nach und nach entstand eine Schokopaste – sie schmeckte sehr intensiv nach Kakao, ungewohnt für unsere Schokoladenmäulchen.
Etwas Zimt wurde noch geröstet und anschließend in die Kakaopaste hineingemahlen. Und in einen anderen Kakaoklumpen Pfefferkörner. Kleine Kakaobällchen wurden noch plattgeklatscht und in Alufolie verpackt. Fertig. Diese Paste wird hier in Wasser und nicht wie bei uns in Milch eingerührt und getrunken.

Es ziehen schon wieder Wolken auf: Da haben wir heute richtig Glück mit dem Wetter gehabt! Und morgen steht wieder Buckelpiste an – wie viele Knochen habe ich? Morgen bestimmt mindestens doppelt so viele wie sonst …