Tag 20 – Guanyang, Jeskos Wirkungsstätte

Wir haben unsere Siebensachen zusammengepackt und sind mit einem Minitaxi zu einem Kreisverkehr kutschiert worden. Den ersten Bus, in den wir dann eingestiegen sind, um nach Guanyang zu fahren, hätten wir alleine nie, nie, nie gefunden: Jesko sagte mir, sie hätten wohl auch ein halbes Jahr gebraucht, bis sie das herausgefunden hätten. Da ist keine Bushaltestelle, da ist kein Fahrplan. Die Leute wissen nur einfach, das da dann mal ein Bus hält – wenn einer dasteht und mitmöchte.

Eine Stunde später sind wir ausgestiegen und gleich in den nächsten Bus rein – der da gerade passend rumstand. So perfekte Anschlüsse haben wir in Deutschland fast selten – ich bin wirklich fasziniert davon, wie manches einfach funktioniert.
Guanyang ist die Stadt, in der Jesko gearbeitet hat – wir erreichten sie zwei Stunden später. Wenn mir die Augen nicht einfach immer wieder zugekippt wären – die vorbeiziehende Landschaft hätte tatsächlich mehr Aufmerksamkeit verdient. Interessant waren auch die Fahrten durch Dörfer (einmal mitten durch den Markt) oder kleinere Städte. Die Häuser hier sind anders als im Norder: Hier besteht ein Haus meistens aus dem Erdgeschoss mit einem großen Tor. Dort ist irgendein Geschäft untergebracht. Und im Stockwerk darüber (manchmal auch ein Zweites), wohnen die Leute.
Am Ziel angekommen sind wir zu Jeskos Unterkunft gegangen: Recht einfache Zimmer, mit dem Charme der Unaufgeräumtheit …
Wir haben eine Runde durch die Stadt gedreht und Jesko hat uns seine Schulen gezeigt: Mit 60 Kindern pro Klasse in einem Klassenraum, in dem man bei uns vielleicht mal die Hälfte untergebracht hätte, hat das Unterrichten nicht mehr die individuellen Fördermöglichkeiten, die unseren Schülern zuteil wird.
An der einen Grundschule haben wir die Schulleiterin getroffen, von der wir abends zum Essen eingeladen worden waren (das wussten wir schon von Jesko).

Eine Stunde, eine Minitaxitour und einen Crashkur „Essen mit Chinesen“ später war es dann so weit: Wir haben uns mit der Schulleiterin und ihrer Tochter, einer Sportlehrerin und ihrer Lütten und einer Englischlehrerin getroffen und sind in einen separaten Raum eines Restaurants geführt worden. Nach und nach sind die Gerichte aufgefahren worden: Erst Kaninchen, dann Fisch mit Tofu, dann dünne Kartoffelstreifen mit Knoblauch (legga!!), Bohnen, Ei mit Tomate, Reis-Porridge (Sönke:“Geschmackloser Glibber!“), Reis und dann noch Melone. Dazu Tee, Bier, Sönke hat Reiswein probiert und mir wurde Wein angeboten. Im Reiseführer hatte ich schon gelesen, dass der „Great Wall Wine“ für unsere verwöhnten Gaumen nicht wirklich eine Bereicherung darstellt – dem kann ich nur beipflichten. Aber chinesischen Wein aus Schälchen getrunken, na, das hatte doch was…
Beim Essen muss es immer laut hergehen – sonst heißt es, dass es langweilig ist. Und so babbelten die drei Damen, wir vier babbelten und Jesko hat immer mal wieder übersetzt. Jesko hatte uns ermuntert, mal einen Trinkspruch loszulassen und das haben wir nacheinander auch getan und Jesko hat das dann übersetzt und es wurde dann freudig angestossen. Als alle mit dem Essen durch waren, sind wir nicht etwa gemütlich sitzen geblieben, sondern es war einfach fertig und alle sind aufgestanden. Nach kurzem mehr der Höflichkeit folgenden Disput, wer denn die Rechnung wirklich übernimmt, traten wir vor die Tür. Mittlerweile war es dunkel geworden und die Stadt erstahlte in Neonbeleuchtung – erwähnte ich schon, dass es die Chinesen leicht kitschig mögen??

A propos erwähnen: Komisch, ich hätte gedacht, dass ich heute schon wieder Muskelkater an meiner Lieblingsstelle hätte – doch weit gefehlt.