Valetta – auf den Spuren der Ritter

Valetta, die Hauptstadt Maltas ist angesagt: Nach dem immergleichen englischen Frühstück (erfreulicherweise gibt es immer Obst und Joghurt) sind wir per Bus und dann mit der Fähre nach Valleta übergesetzt. Wenn man vom Meer her in eine der Buchten links oder rechts von Valletta reinfährt, dann ahnt man noch gar nicht, wieviele Hinterbuchten und Häfen da noch hintendran kommen. Und an diesem Tag war besonders viel los auf dem Wasser: Eine Regatta (Rolex Mittelmeerregatta) war gerade dabei sich zu sammeln beziehungsweise zur Nachbarbucht zum Start zu fahren. Unterhalb der Stadtmauer sind wir ausgestiegen und bis zur Spitze am Meer gelaufen. Die wuchtige Stadtmauer, die dann in das Fort mündet, hat schon einigen Belagerungen (insbesondere die große durch die Türken) stand gehalten – nicht verwunderlich, so ist doch die ganze Stadtanlage auf Verteidigung ausgelegt. Auch das Straßensystem mit den schmalen Gassen hat insbesondere die Funktion einer schnellen Versorgung der Verteidigungseinheiten. Das Fort hatte leider geschlossen aufgrund von Renovierungsarbeiten. Wir haben das Fort passiert und sind dann an der anderen Bucht (gegenüber liegen die drei verbundenen Städte) der Mauer gefolgt. Immer mehr Segelboote kamen in diese Bucht, denn dort sollte der Start der Regatta sein: Schon ein tolles Bild!
Bei ein paar Häusern, die so wenig Tiefe hatten, dass man sie schon fast als Kulisse bezeichnen könnte (aber die hatten richtige Tore und Fenster und Balkone und hatten durchaus einige Jahre auf dem Buckel – kurz, die sind echt) konnte man hintendran eine Treppe hoch und durch eines der wenigen Tore in die Stadt gelangen. Durch die kleinen Gassen sind wir zu einem Markt, der allerdings nicht wirklich spektakulär war. Von Weitem hörten wir eine Kapelle aufspielen und sind hingelaufen: Anlässlich Ihres 140-jährigen Bestehens ist die symphonische Gesellschaft Valettas mit einer Kapelle durch die Hauptstraße gezogen bis zum Platz vor dem Großmeisterpalast. Dort fand auch gerade ein Sport-Vorstellungstag statt – da war was los!
Wir sind zurück zum Markt und sind in noch ganz abgelaufen, aber das hätten wir uns auch schenken können. Dann wollten wir uns die St. John’s Co-Cathedral ansehen, aber bevor wir dort hinein sind, haben wir uns ein Eis gegönnt: Boah! Dieser Laden verwendet nur beste und natürliche Zutaten. Man wählt sich eine Größe und kann sich dann so viele verschiedene Geschmacksrichtungen zusammenstellen lassen, wie man möchte. Ich habe noch nie so ein gutes Schokoladeneis gegessen!!!
Als alles aufgeschleckert war, haben wir uns wieder der geistigen Nahrung zugewandt und sind die Kathedrale. Meine Herren, das Gold da drin erschlägt einen fast und ist ein krasser Gegensatz zu der eher schlichten Außenfassade. Da haben die Ritter des Johanniterordens ganz schön was reingesteckt. Ich bin immer etwas zwiespältig ob solch einer Pracht: Einerseits bewundere ich vor allem auch die künsterischen Leistungen andererseits will man gar nicht daran denken, auf wessen Rücken diese Pracht entstanden ist.
Es war kurz vor Zwölf und wir hofften, noch rechtzeitig zum Kanonenschuss in den Upper Barracca Gardens zu sein, das haben wir aber knapp verfehlt. Dieser Kanonenschuss war das Startzeichen für die größte Segelklasse der Regatta – das hat ja Stil. Nach kurzer Flüssigkeitsnachschubpause (Sönke: „n Bier gelenzt“) sind wir zum Großmeisterpalast gelaufen. Der wird heute noch für Staatsempfänge genutzt und es sind dort schon einige große Verträge geschlossen worden. Mit dabei ein Museum mit Waffen und Rüstungen. Ich bin nun absolut kein Waffenfan – aber das war schon interessant. Und ich hätte früher kein Ritter sein mögen: Im Kampf einen Helm mit Minisehschlitz und ein paar kleinen Löchlein zum Atmen zu tragen, der allein schon 10 Kilo wiegt und dazu noch die restliche Rüstung, die auch nicht gerade höchsten Tragekomfort aufweist, das ist kein Spaß gewesen.
Der Kultur, so beschlossen wir, war ausreichend Genüge getan worden und wir haben uns in den Bus gesetzt und Popeye-Village nachgeholt. Dieses Mal hat das geklappt und nach anschließendem kleineren Fußmarsch sind wir an der ehemaligen Filmkulisse angekommen. Weil die Kulisse in einer kleinen Bucht liegt, kann man von oben ganz gut die windschief gebauten Hütten sehen, die nun als eine Art Freizeitpark genutzt werden. Das sah schon wirklich putzig aus. Wieder hopplahop in den Bus und zurück in Sliema gleich ins Restaurant, um zu essen. Dann unter die Dusche und in tanztaugliche Klamotten – jaaaaaa, richtig, die maltesische Tangoszene wollten wir kennenlernen.
Okay, wir haben mal wieder sämtliche Busverbindungsregister gezogen, sind aber tatsächlich um kurz nach 21 Uhr in Mosta auf der Milonga in Mosta (15 Kilometer außerhalb) gelandet. Eine kleine, sehr klassisch ausgerichtete Milonga – ich denke, wir haben sie mit unserem Neo-Style nicht zu doll verschreckt und ich habe mich mal wieder im Milonguero-Stil versuchen dürfen – die Kieler „Traditionalisten“ wären stolz auf mich gewesen … 😉
War der Hinweg mit dem Bus schon nicht einfach gewesen, der Rückweg war es noch weniger. Auf den Anschlagtafeln stand eine Nachtbuslinie dran, aber vorsichtshalber nicht wann… Wir hofften, dass im Ortskern mehr angeschrieben wäre und sind zur Rotunda gelaufen. An der Bushaltestelle zeigte die elektronische Anzeige, dass in 20 Minuten ein Bus fahren sollte. Das war ok. Leider zeigte die Anzeige 10 Minuten später, dass der Bus in weiteren 20 Minuten fahren sollte. Hm. Mit jeder Minute Warten zählte auch die Anzeige stetig hoch. Wir beschlossen also ein E-Cab zu rufen, dass nach einer halben Stunde auch kam – gleichzeitig mit dem Bus … Um 1:30 Uhr waren wir wieder im Hotel – knallmüde nach einer nicht so gut geschlafenen Vornacht und einem erlebnisreichen Tag. Den Wecker noch stellen: 7:00 Uhr.